|
|
||||||||||||
|
|||||||||||||
Sehr geehrter Herr Piasetzky,
auch an diesem Sonntag war meine erste gute Tat des heutigen Tages, den PC einschalten und das Wort zum Sonntag lesen. Als Atheist natürlich IHR Wort zum Sonntag! Und ich habe mich köstlich amüsiert, denn wie immer haben Sie gründlich recherchiert.
Die Methode AUA
habe ich vor 2 Wochen selbst erleben dürfen: Ein Kunde (Ehepaar, beide Selbständig) des AWD - nennen wir Ihn Herrn AUWATSCH , hat mir seine 3 Versicherungsordner zur Begutachtung vorgelegt.
Das Resultat hier in Kurzform :
Keine PHV ( private Haftpflicht), keine Tierhalterhaftpflicht ( obwohl er 2 Hunde hat ) keine Betriebshaftpflicht , er hat keine Erwerbsunfähigkeits- oder Berufsunfähigkeitsversicherung, keine Risiko – LV, beide haben keine Unfallversicherung (obwohl sie beide nicht mehr Pflichtversichert sind ) aber für Ihn und seine Frau wurden insgesamt 7 Lebensversicherungen abgeschlossen.
Das tut weh - AUA
Das ist die Praxis, wie ich Sie schon seit ca. 10 Jahren erfahre.
Jedoch stellt sich mir die Frage:
Kann ein Wirtschaftszweig in einem brutalen, menschenverachtenden System wie dem freien, ungezügelten Kapitalismus, aus diesem allgemein Denken und Handeln einfach ausscheren, quasi für sich die Softmethode anwenden?
Einen Kapitalismus für das arbeitende Volk gestalten?
Nein- kann es nicht.
Seit dem Jahr der Deregulierung der Versicherungs- und Finanzbranche ab 1995 beginnend, damit der Abkehr von einer sozialen Marktwirtschaft, macht die Branche nichts anderes, wie die anderen Wirtschaftzweige auch:
MXIMALPROFIT zu Lasten der KUNDEN und BESCHÄFTRIGTEN
Das sehe ich als die tiefe Ursache, warum die Versicherungswirtschaft nichts tun wird, was mit Aufklärung, Kostentransparenz und Kundenzufriedenheit zu tun hat. So kann das Problem der Berufsfalle – sprich der Wechsel von den "staatlich geförderten" Rürüp -Rente zur Riester – R Ente und umgekehrt ja auch nicht von den Produktanbietern geändert werden, sondern nur durch den Gesetzgeber!
So hätte man die 7 Fragen, dies ist meine persönliche Auffassung, vor allem an den Gesetzgeber stellen müssen.
Denn wenn man von der Politik die Altersvorsorge von der gesetzlichen Rentenversicherung, auf die Private Ebene ( Versicherungen , Fondsgesellschaften und Banken ) verlagert, und man setzt das Wissen um die Funktionsweise dieser Märkte voraus ( sie funktionieren nur auf Provisions-, Courtage - oder Honorarbasis weil zu meist SELBSTÄNDIGE diese Produkte verkaufen), dann ist eines klar: Der Verkauf hier ist auf privatwirtschaftlicher Ebene wesentlich teurer, als Geld in die staatliche Rentenkasse abzuführen.
Eins darf man dabei natürlich nicht vergessen:
Man finanziert somit auch das Heer der Vermittler, noch !
Doch dieses System bröckelt, weil immer mehr Kunden die Fallen
( Berufsfalle, keine wirklichen echten Garantien, hohe Kosten, Besteuerung im Alter ..)
der privaten Altersvorsorgeprodukte erkennen.
Und
Weil immer mehr Vermittler das Handtuch schmeißen oder wie ich, diese Produkte nicht empfehlen.
Ein weiterer Aspekt der neoliberalen Politik kommt hinzu:
Der leise, schrittweise Ausstieg der Arbeitgeber aus den paritätisch finanzierten staatlichen Vorsorgekassen schreitet ungehindert fort. Zuerst waren Berufsunfähigkeitsversicherungen (2001), dann die Altersvorsorge mit Rürup –und Riester – R Enten mit der gleichzeitigen Festlegung des Nicht - Anstiegs der Beitragssätze für die Rentenversicherung, dann der Ausstieg aus der Zahnleistung bei der Krankenversicherung.
Es folgen der Ausstieg aus der Pflegeversicherung und die Kopfpauschale bei der KV? Diese Absicherung soll der geneigte Bürger nun privat vornehmen, wobei man verschweigt, das diese private Absicherung wesentlich teurer als die gesetzliche Absicherung ist und das Risiko der NICHTANNAHME eines Antrages, etwa wegen schon vorhandener Krankheiten, in sich trägt.
Meine Erfahrungen besagen: Jeder 3. BU – Antrag wird von der Assekuranz abgelehnt.
( Voraussetzung: Richtige, wahrheitsgemäße Angaben der versicherten Person )
Hat die Versicherungswirtschaft 2010 und später eine Chance ?
Meine Antwort ist: JA,
Wenn
man an sich auf den ursprünglichen Inhalt – der ja auch eine Art der Solidarität ist – einer Versicherung beschränkt: Der Kunde verkauft sein Risiko an den VR, der den Großteil des Risikos nun trägt, so lange der Kunde seine Beiträge zahlt. Ein Gewinn, eine exorbitante Eigenkapitalrendite von ackermannschen Ausmaß, 25 %, ist dabei nicht zu erzielen. Dabei setze ich voraus, dass auch die Beschäftigten der Versicherungswirtschaft einen Tariflohn erhalten, der zum menschenwürdigen ( Über) Leben ausreicht.
Den Schwerpunkt der Altersvorsorge auf die Privaten Institute zu verlagern, ohne die Kundengelder staatlich zu sichern, die Anbieter einer strengen Kontrolle und Aufsicht zu unterziehen, halte ich für falsch und nicht erfolgversprechend für die Kunden/ Bürger.
Wenn wir jedoch eine Aufsicht, staatliche Kontrolle und Garantie verlangen, warum belassen wir das Geld dann nicht gleich beim Staat, bei der Rentenversicherung BUND??
Noch ein Argument spricht gegen ein erfolgversprechendes System aus Privaten Versicherungen:
Deren Arroganz !!
Zu vielen Gesellschaften würde der Name ARROGANZIA sehr gut passen, auch einer der großen deutschen Gesellschaft, die ebenfalls mit A… beginnt, würde der Name gut zu Gesicht stehen.
So stelle ich als Versicherungsmakler fest,
dass man zwar bei allen Gesellschaften gern unsere Anträge entgegen nimmt, aber sobald man Ansprüche im Interesse seiner Mandanten stellt, etwa bei der Schadenregulierung, bei der Vertragsänderung oder auch Vertragsauflösung, wird gemauert, was das Zeug hält. Auch hier sind Gesellschaften mit dem ersten Buchstaben des Alphabet führend, von A …bis zu Z .. , wie Zu …. !
Positive Ausnahme: Die Haftpflichtkasse Darmstadt
Gesellschaften, die wie Provinzial,
sich vor Gericht rumstreiten, ob nun nach dem neuen VVG ( Versicherungsvertragsgesetz) der Kunde einen Mehrjahresvertrag erst beginnend mit dem Jahr 2009 nach 3 Jahren kündigen kann, oder wenn im dem Jahr 2009 der Vertrag schon 3 Jahre bestanden hat, beweisen die ARROGANZ vieler Versicherungen.
Die Verschleierungstaktik der VR bei der Auszahlung von Sparverträgen, ob und wie viel Gewinn, dem Kunde nun nach Kündigung oder Ablauf zustehen, ist ein weiterer ständiger Streitpunkt zwischen Kunde und Versicherungswirtschaft.
Und hier kommt ein weiterer wesentlicher Nachteil der privaten Sparverträge zum tragen:
Dieser Streit wird nach Zivilrecht, nicht Sozialrecht geführt.
Dass heisst, der Kunde benötigt einen (guten, erfahrenen, fairen Anwalt – diese sind höchst selten!) Rechtsanwalt und einen Sachverständigen, die ihm eine Stange Geld kosten, der Ausgang des Streites ist aber ungewiss. Also auch hier ist der Kunde benachteiligt- gegenüber den Sozialkassen.
Am Ende steht auch hier die Generalfrage:
Soll der Bürger der Wirtschaft dienen oder die Wirtschaft dem Bürger?
Soll die (private) Altersvorsorge der Absicherung des Altersarmutsrisiko der Versicherten dienen oder den Gewinnstreben der Aktionären, den Boni der Manager?
Eins ist auch klar:
Von den Lobbyisten der Parteien CDU / CSU und FDP ( wohl auch von der aktuellen SPD- Führung nicht) ist eine Abkehr vom System des brutalen, menschenverachtenden Kapitalismus, eine Abkehr der Umverteilung von Unten nach Oben nicht zu erwarten. Im Gegenteil.
Das tut weh ….. AUA
Mit freundlichen Grüßen
Eberhard Stopp Fair-Makler.com
Zur unveränderten Veröffentlichung für den DRSB freigegeben.