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DRSB

Deutscher Rentenschutzbund e.V.

Redaktionsteam

Leitung:

Udo Johann Piasetzky Heinrich Sternemann Hans - Josef Leiting

Düsseldorf, den 29. Juli 2009

 

 

 

Bildung gegen Armut?

 

Bildung und Ausbildung sind in jeder Wirtschaftslage immer eine gute Investition für die Zukunft.

Gerade in konjunkturell schwierigen Zeiten muss ein Volk dafür Sorge tragen, dass jeder junge Bürger im Staat gute Schul- und Ausbildungsangebote zur Verfügung gestellt bekommt.  

Besonders die Politik ist aufgerufen, Anstrengungen zu unternehmen, um allen jungen Bürgern die Chance zu einem selbstbestimmten Leben in Freiheit zu ermöglichen

 

In mehreren deutschen Städten legten die Protestler diverse Bankenfilialen lahm. Die Studenten und Schüler fordern mehr Geld für Bildung. Das eigentliche Problem ist jedoch die falsche Verteilung der Mittel.

Deutschland

ist ein reiches Land und wird im Ausland dafür oftmals bewundert.

Erstaunlich, denn jeder achte Deutsche lebt bereits in Armut.

Da liegt die Frage sehr nahe:

„Wie kann man Armut am wirksamsten bekämpfen?

Immer wieder machen Politiker aus allen Parteien und ihnen nahestehende Professoren vermeintlich bahnbrechende Entdeckungen.

Neoliberalismus, Profitgier oder Machterhalt führten in den zurückliegenden Jahren zu diversen Streichorgien im Bildungssektor.

In vielen Fällen wurden die politischen Motive erst nach Jahren als Blendwerk entlarvt.

Peinlich, aber es ist die Wahrheit, dass dabei die Bildung und Ausbildung der jungen Bürger auf der Strecke bleiben musste.

Die Fantasieprodukte der Politiker von immer mehr Privatisierung und immer mehr Beseitigung von kollektiven Leistungen schafften historische Fakten des Versagens.

Triumph und Niederlage

liegen nah beieinander. Doch die deutsche Bildungsgeschichte ist oft nur noch eine Geschichte der Blamagen.

Denn seit die Soziologin

Jutta Allmendinger

kurz vor der Jahrtausendwende den Begriff der so genannten

Bildungsarmut

in den deutschen Sprachschatz einführte, benutzen diesen Begriff die meisten Politiker sehr gerne, als sei ein Mangel an Bildung oder Ausbildung der

Hauptgrund für eine flächendeckende Armut.

Dabei vertauschen die vermeintlich „lieben“ Volksvertreter Ursache und Wirkung, denn spätestens seit den Pisa - Testergebnissen wissen die Deutschen, dass Kinder aus sozial benachteiligten und armen Familien hierzulande erheblich schlechtere Bildungschancen haben als die glücklichen Kinder der Reichen.

Das ist Empirisch belegt, so dass Kinder aus sozial benachteiligten und armen Familien auf ihren ganzen Lebensweg wesentlich stärker diskriminiert werden als in fast allen anderen vergleichbaren Industriestaaten.

Bildungsdefizite verhindern in den meisten Fällen, dass junge Bürger auf dem zurzeit prekären Arbeitsmarkt sofort Fuß fassen.

Denn die wachsende die Armut von deutschen Familien führt häufig dazu, dass deren Kinder keine weiterführende Schule besuchen dürfen oder sie ohne Abschlusszeugnis wieder verlassen müssen.

Ganz vorwitzige Politiker und Professoren behaupten sogar:

„Die Armen in Deutschland bekommen schon

genug Geld - es muss deshalb mehr in Bildung investiert werden“.

Auf den deutschen Straßen, in den Hochschulorten entlädt sich seit Anfang Juni 2009 der Zorn von Schülern und Studenten über die schlechten Lernbedingungen sowie über eine zu starke

Verschulung des deutschen Bildungssystems.

Geklagt wird über die achtjährige Schulzeit an Gymnasien, über die Bachelorstudiengänge sowie über zu wenig Geldmittel und über die oftmals baufälligen Bildungseinrichtungen.

Alle fordern mehr Geld für Bildung und Ausbildung.

Entgegen einer der idealistischen und sinnverdrehten Sichtweise in den deutschen Parteien bestimmt die materielle Lage in der Bevölkerung nach wie vor den so genannten

Bildungsdrang sowie die kulturelle Ausprägung

von jungen Bürgern und nicht umgekehrt, wie es einige Politiker den Bürgern immer wieder suggerieren möchten.

Ein schlechter Schulabschluss verringert die Erwerbschancen vieler Bürger und wirkt  sich schließlich direkt extrem nachteilig auf den Wohlstand aus.

Es sei denn, der betreffenden Bürger verfügen dank seiner Eltern und Herkunft über ein ausreichendes Kapitalpolster fürs Leben.

Der Besitz von ausreichenden Geldmitteln gewinnt in allen Gesellschaftsbereichen ansteigende Bedeutung.

Trotzdem ist reale Flächenarmut in Deutschland wesentlich mehr, als nur zu wenig Geld zu besitzen.

Gerne wird von neoliberalen Politikern deshalb der

Armuts - Definition

auf anonyme wirtschaftliche Rahmendaten verkürzt, damit man die Aufmerksamkeit von den sozialen Problemen Millionen armen Bürgern gezielt ablenken kann.

Armut

wird in vielen Medien flankierend gerne auch so dargestellt, als wäre der

Zustand der Armut

lediglich ein selbstverschuldetes, vorrübergehendes Minus auf dem Bankkonto der Betroffenen. Quasi ein kleiner und leicht zu reparierender wirtschaftlicher Unfall.

Über vielfältigen täglichen Benachteiligungen und Diskriminierungen auf den Gebieten der

Bildung, Gesundheit, Freizeit, Kultur, 

und der häufig prekären

Wohnsituation

schweigen sich die tatsächlichen Verursacher beharrlich aus.

So genannte Armutsforscher, die seit Kurzem ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt werden fordern vehement:

„Mehr Geld in die Sozialkassen“

und glauben offensichtlich fest daran, damit alle sozialen Probleme lösen zu können.

Junge Bürger werden vermutlich demnächst häufiger auf deutschen Straßen skandieren:

„Geld für Bildung statt für Banken“.

Oder

„Wir zahlen nicht für eure Krise“.

Viele Berliner Politiker wollen diesen Trend zum Stillstand bringen und versprechen wenige Wochen vor der Bundestagswahl den Armen in Deutschland aus reiner Verzweiflung und Mangel an tatsächlichen Lösungen

Aufstieg durch Bildung.

Es ist seit Jahrzehnten wissenschaftlich belegbar, dass das Bildungsniveau nur ein äußerst begrenztes Mittel gegen Armut darstellt.

Zum individuellen gesellschaftlichen Aufstieg taugen sichere Ausbildungs- und Langzeitarbeitsplätze sowie nutzmehrende Rahmenbedingungen für die Mittelständler wesentlich mehr.

Dann gäbe es in Deutschland weder den promovierten Taxifahrer noch anwachsende Flächenarmut.

Doch die von den Politikern geschaffene Realität sieht anders aus und die Wahlprogramme 2009 von SPD, FDP und Bündnis 90 / Die Grünen lassen kaum die Hoffnung auf eine Veränderung zu.

In einigen CDU / CSU Kreisen und den neu formierten Linken regt sich dagegen der Nachdenkprozess über mögliche Veränderungen an, dass zunehmend immer mehr Bürger mit ihrer Hände Arbeit zu wenig verdienen, so dass sie sich und ihre Familien kaum noch ohne staatliche Unterstützung ernähren können.

Denn in den meisten prekären Arbeitsbereichen im deutschen Niedriglohnsektor finden sich viele hochqualifizierte Bürger, die angesichts der veränderten Rahmenbedingungen im Bereich Leiharbeit oder der befristeten Arbeitsverhältnisse keine sichere gesellschaftliche Stellung mehr erreichen können.

Es ist der Zynismus und die Menschenverachtung unserer Politiker, dass man Bildung immer mehr zu einer billigen Ware herabwürdigt und sie gleichwohl als politische Wunderwaffe im Kampf gegen die Armut einsetzen möchte.

Eine gute Bildung und Ausbildung erweitert ohne jeden Zweifel den geistigen Horizont des Einzelnen und kann durchaus den beruflichen Aufstieg beschleunigen.

Das gesellschaftliche Kernproblem unserer Tage, die

Armut,

kann eine verbesserte Bildung und Ausbildung nicht alleine beseitigen.

Hierfür bedarf es in Deutschland, einem demokratischen Staat der trotz der hartnäckig anhaltenden Weltwirtschaftskrise und deren Folgen noch nie so reich war wie heute, einer gerechteren Umverteilung von Arbeit, Einkommen und Vermögen in einer modernen kollektiv und sozial ausgerichteten Marktwirtschaft.

Sonst könnte womöglich schon recht bald an vielen deutschen Parlamenten ein Schild mit der Aufschrift hängen:

Vorrübergehend geschlossen

wegen anhaltender Gefährdung des Allgemeinwohls!

 

             

 

DRSB

 

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sinnvolle, gerechte und lernfähige Rentensysteme,

sichere, gerechte und leistungsfähige Sozialsysteme,

und für

korruptionsfreie Demokratie in Deutschland und der EU.

 

 

             

 

Stand: 29.07.09

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