Der Vorhang faellt und alle Fragen bleiben offen

Der Vorhang fällt -

und alle Fragen bleiben offen

 

11. Januar 2011

 

Das prekäre Finanzszenario nach Griechenland und Irland sowie vor Portugal lässt Erinnerungen wach werden an die nachdenklichen Worte vom ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann aus dem Jahr 1955:

Merken wir denn nicht, dass unsere vorherrschende Weltanschauung aus drei Sätzen besteht?

Viel verdienen – Soldaten, die das verteidigen und Kirchen, die beides segnen”.

Irland spielt noch immer mit dem Feuer und einem brisantem sozialpolitischem Sprengstoff, denn der extrem schuldengeplagte Kleinstaat stemmt sich noch immer vergeblich gegen das wirtschaftliche Versagen. Obwohl man jahrelang mit  Niedrigststeuern Wirtschaftspolitik machte und dadurch auch in unserer Heimat sichere Arbeitsplätze reihenweise zerstörte, verwahrt man sich jahrelang gegen Kritik an dieser Praxis.

Uneinsichtigkeit

ist aber bekanntlich stets der Anfang vom Ende.

Das Negativbeispiel Irland zeigt in aller Deutlichkeit, wie man innerhalb der Europäischen Union in wichtigen Bereichen Bedingungen schuf, die den wirtschaftlichen Wettbewerb in Europa nicht nur verzerrten, sondern auch nachhaltig volksschädlich beeinflussten. Die Bedingungen für die offensichtlich notwendigen Hilfskredite der europäischen Partner können deshalb nicht hart genug sein. Eigentlich müsste man sich so gar die Frage stellen:

Wie sinnvoll sind Hilfskredite für Irland tatsächlich”?

Denn wie Ihnen bereits mitgeteilt, stehen demnächst auch noch Portugal, Spanien, die Niederlande und vermutlich auch Frankreich an der Tür unseres Finanzministers und fragen nach Finanzhilfen. Unser Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sieht zwar zu den Milliardenhilfen für Irland keine Alternative, weil nach seiner Auffassung die gemeinsame Euro – Währung auf dem Spiel steht. Doch ob mit oder ohne Finanzhilfen hat das Versagen von Irland unabsehbare wirtschaftliche und soziale Folgen für die Menschen in unserer Heimat, denn deutsche Finanzspritzen werden nicht aus den Taschen der Politiker, sondern aus Steuergeldern gezahlt.

Das Negativbeispiel Irlands verdeutlichte im vorigen Jahr, dass die US – Finanz- und Wirtschaftskrise weltweit noch immer heftig nachwirkt. Denn im Gegensatz zu der Meinung einiger Journalisten handelt es sich nicht um einen Virus, sondern um das völlige Versagen nordamerikanischer Wirtschaftstheorien. Gönnen wir uns deshalb einen ganz kleinen Moment des Durchatmens, denn der nächste Ansturm des Versagens der Chicagoer Schule steht uns noch allen bevor. Dagegen ist das bisherige Geschehen als wirklich langweilig und substanzlos einzustufen.

Wer die Prognosen des DRSB für ehrabschneidende Behauptungen und Verunglimpfungen der Politiker und den Medien hält, der wird die scharfe Würze des

Versagens der Chicagoer Schule

[ Milton Friedman ]

Spätestens in diesem Jahr zu spüren bekommen. Washingtons Fünfte Kolonne stellt das Marschieren ein und selbst die „netten” Drohungen unserer atlantischen Freunde bleiben im Stahlschrank unter Verschluss. Das Unaufgeregte an dem zu erwartenden Szenario ist aber eher ein zivilisatorischer Fortschritt für West- und Osteuropa.

Der eklatante Mangel an wirtschaftlicher Substanz und inhaltlicher Auseinandersetzung ist vor allem darauf zurückzuführen, dass das Verhältnis zwischen den USA und den NATO – Partnern  inzwischen reif für die besten Therapeuten ist.

Und was machen unsere Politiker und die Medien?

Die pflegen inzwischen gegenüber ihrem Volk eine Attitüde von verachtungsvoller Besserwisserei, die in der Tat die Menschen in unserer Heimat verärgern und demotivieren muss. Viele Politiker und auch Medienvertreter haben offenbar schlicht weg Angst vor den aufgeweckten Menschen. Eine perfide Haltung, die daraus erwächst:

Bloß nichts Falsches sagen;

immer in der sicheren Deckung bleiben und sich

auf keinen Fall auf irgendetwas Konkretes festlegen lassen.

Es könnte gegen einen verwendet werden. Verantwortungsbewusste Eltern bringen ihren Kindern bei, dass sie beim Ausgeben des Taschengelds Prioritäten setzen sollen.

Wenn man sich etwas kauft, muss man eventuell auf anderes verzichten. Aber unsere Politiker trauen sich nicht, von unserer Gesellschaft solche klaren Prioritäten zu verlangen. Am Ende ist immer alles möglich, meistens kreditfinanziert und stets abhängig davon, welche Lobbygruppe ihre Partikularinteressen am geschicktesten als vermeintliche

Gesamtwohl - Interessen

darstellt und über die willfährigen Medien kommuniziert. Immer häufiger werden Ansprüche und Erwartungen formuliert, die die Menschen in unserer Heimat schon rein physisch nicht mehr erfüllen können.

Man wird dieses Szenario besser verstehen, wenn man auf die Rolle der Medien schaut, die für die Substanzlosigkeit mitverantwortlich sind. Wir ereifern uns zurzeit noch über gierige Banker und Manager. Aber war es wirklich notwendig und klug, die private Altersvorsorge so zu organisieren, dass ein paar Banken und Versicherungskonzerne eine unantastbare Sonderstellung bekommen und die Marktregeln außer Kraft gesetzt werden?

Und ist es wirklich der Weisheit allerletzter Schluss, dass unser Kinder in nur noch acht Jahren zum Abitur gehetzt werden?

Den Dingen und Vorgängen einmal auf den Grund zu gehen, das ist immer die Devise des DRSB gewesen.

Und welches Bild kam dabei heraus?

Politiker wie auch einige Medienvertreter scheinen inzwischen so überfordert zu sein, oder haben möglicherweise zu wenig Zeit, um die Ursachen- und Wirkungszusammenhänge politischer Entscheidungen zu erkennen und zu erklären.

Und sie trauen auch den Menschen in unserer Heimat immer weniger zu, das zu verstehen. Solange sich aber im Selbstverständnis der Akteure nichts ändert, wird der allgemeine Frust zu einer gesellschaftspolitischen Explosion führen können. Denn die Verärgerung frisst sich wie ein bösartiges Geschwür schon durch alle Gesellschaftsklassen. Nicht nur an Stammtischen, Sportvereinen und auf der Kreisebene der Parteien hört man immer häufiger den Satz:

Die führen uns doch hinters Licht

und machen sowieso was sie wollen”.

Und spätestens an dieser Stelle müssten allen Politikern die vom DRSB leicht abgewandelten Worte von Gustav Heinemann einfallen:

Eliten die viel verdienen; Soldaten, die das mit ihrem Leben verteidigen müssen und Kirchen, die beides kritiklos absegnen.

Bloß das ist nicht das Ziel der Mehrheit der Menschen in unserer Heimat. Immer öfter stellt man sich deshalb die Frage:

Bekommen wir eine volksnahe und bessere Politik,

wenn wir drei bis sechs Monate lang keine Zeitungen und Zeitschriften kaufen und die Glotze kalt lassen”?

 

 

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