DRSB
Deutscher Rentenschutzbund e.V.
Redaktionsteam
Leitung:
Udo Johann Piasetzky • Heinrich Sternemann • Hans - Josef Leiting
Düsseldorf, den 22. Dezember 2009
Versagen die
Deutschen Versicherer?
Kann die Branche zukünftig tatsächlich noch eine
Vorsorgefunktion für die Menschen in unserer Heimat erfüllen?
Der Vorsorgegedanke steckt tief in den Deutschen, so dass auch die US - Finanz- und Wirtschaftskrise das allgemeine Sparverhalten der Menschen in unserer Heimat nicht verändern konnte.
In den ersten sechs Monaten 2009 sind trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage je Bürger monatlich durchschnittlich 180,00 Euro zur Seite gelegt worden.
Das ist genau der gleiche Betrag wie im Jahr 2008. Rein statistisch betrachtet, lag demnach die Sparquote aller privaten Haushalte bei 11,2% des verfügbaren Einkommens.
Rechnerisch ergibt sich in der ersten Jahreshälfte für alle deutschen Haushalte ein Sparvolumen in Höhe von
89 Milliarden Euro.
Hochgerechnet auf zwölf Monate ist zum Jahresende 2009 mit einem Sparvolumen um die
190 Milliarden Euro
zu rechnen.
Da das Bruttoinlandsprodukt [ BIP ] laut dem statistischen Bundesamt im ersten Halbjahr um 5,4% im Vergleich zum Vergleichszeitraum 2008 gefallen ist, hat sich das Sparverhalten von der wirtschaftlichen Entwicklung völlig abgekoppelt.
Gemäß der Studienergebnisse des DRSB e.V. verwendeten die Menschen in unserer Heimat das Ersparte für den Kauf von Sachvermögen und als so genannten
„Notgroschen“
für außerordentliche Ereignisse.
Insgesamt lagen die Nettoinvestitionen aller privaten Haushalte im Jahr 2008 bei
44 Milliarden Euro.
Obwohl die Eigenheimzulage [ vormals nutzmehrende 7b - Abschreibung ] bereits zum 31. Dezember 2005 abgeschafft wurde, floss ein Großteil der Gelder noch in den privaten Wohnungsbau.
Die Turbolenzen an den Börsen, das Dubai - Desaster sowie das totale Wirtschaftschaos in den USA führten dazu, dass die Menschen bei der Geldanlage nach noch mehr Sicherheit verlangen.
Dabei setzt man wieder verstärkt auf die klassischen festverzinslichen Anlageformen.
Gemäß der Empfehlung des DRSB e.V. stiegen sogar die Rücklagen in sichere klassische Sparbücher.
„Sicherheit steht also wieder an oberster Stelle“.
Größtmögliche Sicherheit ist für 93% der Befragten das Hauptmotiv für eine geplante oder bereits durchgeführte Geldanlage. Deutlich weniger wichtig sind dagegen die schnelle Verfügbarkeit oder eine hohe und meist unsichere Rendite.
Nach den mehrmaligen Sicherheitshinweisen des DRSB e.V. ist es kaum erstaunlich, dass 54% der Deutschen schon wieder über Rücklagen auf einem Sparbuch verfügen. Bedauerlicherweise liegt der Sparbuchzins häufig so niedrig, dass er nicht einmal die inflationäre Entwicklungen ausgleichen kann und somit die Kaufkraft des angelegten Kapitals mit der Zeit abnehmen könnte.
In der zurzeit andauernden Deflation
sind diese Befürchtungen jedoch nicht von Bedeutung.
Denn trotz der möglichen Nachteile im Vergleich zum Tagesgeld besitzt jeder Mensch in unserer Heimat im Durchschnitt gleich mehrere Sparbücher.
Führend in diesem Vorsorgebereich sind die Sparkassen sowie mit Abstand die so genannten Raiffeisen- und Volksbanken.
Damit auch biometrische Risiken abgedeckt sind, neigen immer mehr Menschen dazu, mit Risikolebensversicherungen Todesfall, Berufsunfähigkeit oder Erwerbsunfähigkeit abzusichern.
Eine sinnvolle Entscheidung, die auch im „Schadenfall“ nicht zu der so genannten nachgelagerten Besteuerung führt.
Noch aber sind hierzulande die klassischen Kapitallebensversicherungen weit verbreitet. Rund 62% der Deutschen verfügen zurzeit noch über eine solche Altersvorsorge.
Die Lebensversicherer in unserer Heimat tragen also noch für absehbare Zeit eine gewisse soziale und gesellschaftliche Verantwortung.
Doch mit den Rentenreformbemühungen von ROT / GRÜN sowie SCHWARZ / ROT hat sich der Staat zusehends aus der kollektiven Verantwortung für seine Bürger heimlich, still und leise zurückgezogen [ Armuts - Agenda 2010 ].
Realitätsferne und irreführende Fördermodelle für untaugliche private Rentenmodelle enttarnten sich im Laufe der Zeit als böse soziale Eigentore der Berliner Politiker.
Anstatt sich - wie von den Versicherern erhofft - zu den absoluten Rennern im Vorsorgemarkt zu entwickeln, werden sie von Monat zu Monat zu gefährlichen wirtschaftlichen Rohrkrepierern für alle Beteiligten.
Die zu erwartende Versorgungsfunktion
für die Bevölkerung erfüllen die Versicherer in unserer Heimat deshalb schon seit mehreren Jahren nicht mehr.
Obwohl unser Staat, bedingt durch die privaten „rürupschen“ Rentenmodelle, einen Teil der gesellschaftlichen Verantwortung an die privatwirtschaftlichen Lebensversicherer übertragen wollte, konnte die Branche die in sie gesetzten Erwartungen bis heute nicht erfüllen.
Verschärfend kommt hinzu, dass durch diverse Strukturvertriebsarten viele Menschen in unserer Heimat nicht nur schlecht beraten, unterversichert oder überversichert sind, sondern in vielen Fällen eine völlig untaugliche Vorsorge haben.
Ebenso sind kostengünstige und gleichzeitig leistungsstarke Versicherungstarife in fast allen Sparten der Branche Fehlanzeige.
Mit Blick auf die privaten Rentenversicherungsmodelle bedeutet so etwas, dass mit jedem staatlich geförderten Riester - Vertrag das volkswirtschaftliche Risiko überdurchschnittlich ansteigen muss.
Die durchschnittlich abgeschlossene Monatsrente in den zurückliegenden zehn Jahren erreicht gerade einmal rund 230,00 Euro und ist zur Ergänzung der gesetzlichen Rente künftig kaum sinnvoll einsetzbar.
Hierrüber hat der DRSB e.V. mehrfach ausführlich berichtet.
Eine echte Versorgungsfunktion für die deutsche Bevölkerung lässt sich mit solchen geringen Werten nicht darstellen.
Besonders erschreckend ist die Erkenntniss, dass die Risiken, wie zum Beispiel die
Berufsunfähigkeit, nur zögerlich oder mit hohen Auflagen von den Versicherern gezeichnet werden, obwohl in unserer Heimat jährlich bis zu 200.000 Menschen berufsunfähig werden, weil die Psyche oder der Körper nicht mehr mitmachen wollen.
Sie können ihre beruflichen Aufgaben nicht mehr ausüben und scheiden oftmals ganz aus dem Berufsleben aus.
Einen Anspruch auf eine Berufsunfähigkeitsrente nach altem Muster hat dann grundsätzlich nur, wer vor dem 2. Januar 1961 geboren ist.
Alle anderen Menschen
müssen sich mit einer Erwerbsminderungsrente begnügen.
Doch auch hier haben ROT / GRÜN sowie SCHWARZ / ROT erhebliche Hürden aufgebaut. Denn nur wer täglich weniger als drei Stunden arbeiten kann, erhält uneingeschränkte Leistungen der Erwerbsminderungsrente.
Wer also als Arbeitnehmer ein monatliches Bruttoeinkommen von 3.000,00 Euro hat, erhält dann grob gerechnet nur noch 1.000,00 Euro Monatsrente.
Sollte sogar eine Arbeitsfähigkeit von drei bis sechs Stunden täglich festgestellt werden, reduziert sich bei dieser Einkommensklasse die Monatsrente auf circa 500,00 Euro.
Da klopft bei den meisten die Armut an die Haustür, denn solche Renten sind
„zum Leben zu wenig“ und „zum Sterben zu viel“.
Statistisch betrachtet, wird jeder fünfte Mensch in unserer Heimat einmal berufsunfähig. Vor diesem Hintergrund wird erkennbar, warum sich die Versicherer nicht um dieses Risiko reißen. Doch anstatt das gesellschaftliche Problemfeld gezielt anzupacken, ignorierten es viele Lebensversicherer beharrlich.
Doch wofür sind Versicherungen eigentlich da?
Gerade auf diesem Gebiet wäre echte private Vorsorge von Nöten, denn am tatsächlichen Bedarf der Menschen mangelt es nicht.
Liegt es vielleicht daran, dass man mit Kapitallebensversicherungen oder mit fondsgebundenen Rentenversicherungen wesentlich mehr Gewinn machen kann?
Spielt man mit den Kundengeldern lieber wieder „Cashburning“ in den USA?
Fusioniert man lieber noch mehr Gesellschaften und hofft dann vergeblich jahrelang auf
die Synergieeffekte, die sich ohnehin nie einstellen?
Lässt es die verantwortlichen Versicherungsmanager völlig kalt, dass eine alleinerziehende Witwe mit Kind zum Überleben in unserer Heimat bereits heute schon mehr als 1.100,00 Euro monatlich benötigt, um nicht in die von ROT / GRÜN sowie SCHWARZ / ROT aufgestellte
Armutsfalle
zu laufen?
Täglich liest man von Millionen - Pleiten im Vertriebsmarkt der Strukturvertriebe sowie von vergeblichen Rettungsaktionen der Versicherer.
Auch solch dubiose Szenarien sind zweifelsohne dafür verantwortlich, dass die Menschen die tatsächliche Leistungsfähigkeit der Versicherer in unserer Heimat kritisch hinterfragen.
Und wenn demnächst viele Riesterkunden
die Mitteilung erhalten, dass der Rechnungszins auf 1,75%
absinken wird, dann steht die gesamte Branche vor dem endgültigen „AUS“.
Denn niemand wird sonderlich motiviert sein, zu den hohen Abschluss-, Handlings- und Verwaltungskosten auch noch auf Zinsen von 0,5% zu verzichten.
Der DRSB e.V. hat deshalb einmal hinter die Kulissen geschaut und musste bis jetzt feststellen, dass es zurzeit kaum ernsthafte Bestrebungen gibt, im Sinne der Kunden
nutzmehrende Umstrukturierung oder spürbare Kostensenkung vorzunehmen.
Zwar betonen die Protagonisten vom
Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft
[ GDV ]
gebetsmühlenhaft die soziale Verantwortung sowie den so genannten Marktauftrag für die Vorsorge, doch die nüchterne Realität zeigt, dass die Branche den hohen Anforderungen an eine nutzmehrende Vorsorge nicht gerecht wird.
Haben die Versicherer
in unserer Heimat schon völlig versagt?
Im Prinzip JA!
Jahrzehntelang bekamen die Chef - Protagonisten der Branche quasi das Geld von den Menschen millionenfach unter das Kopfkissen gelegt und konnten auf diesem Geldpolster „ruhig“ schlafen.
Frisches Geld wurde ja zu Hauf täglich von den Strukturvertrieben eingesammelt, so dass man sich bis heute über alternative, nutzmehrende und kostenneutrale Vertriebsarten wenig Gedanken machen musste.
Ob die Menschen in unserer Heimat gerade in der Altersvorsorge völlig falsch oder unterversichert waren, berührte da kaum jemanden auf den Topetagen.
Man berauschte sich auf aufgeblähten und teuren Veranstaltungen an immer neuen Zuwachsraten.
Die wirklichen Wünsche, Sorgen und Nöte der Menschen in unserer Heimat blieben dabei auf der Strecke.
Seit geraumer Zeit haben die Berliner Politiker einige Notsignale aus der Bevölkerung vernommen und verfolgen mit sichtlichem Unbehagen das nicht mehr zu kaschierende
„Versagen der Versicherungswirtschaft“.
Der DRSB e.V. wird aus dem vorgenannten Gründen im Januar 2010 eine Analyse über die möglicherweise vorhandenen Verbesserungsansätze in der Branche veröffentlichen.
DRSB
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