„Die Nachwehen der US – Kriege”
Teil 80
Der Golfkrieg ist nicht zu Ende
02. Juni 2010
Würden die Mächtigen auf die Stimme des Volkes hören, dann wüssten sie, dass sich in allen arabischen Staaten hartnäckig das Gerücht hält:
Der Golfkrieg ist nicht zu Ende.
Die amerikanische Zermürbungstaktik durch Bomben, Raketen und ständige Drangsalierungen haben nicht nur im Irak das Feuer des Hasses am Lodern gehalten.
Sehr viele Iraker sind Schiiten, die sich mit ihren Glaubensbrüdern im Iran solidarisieren und vermutlich sogar bereits eine ideologische Brücke zu der schiitischen Hisbollah im Libanon schlagen.
Die drakonischen Sanktionen, die von der UN vor den Golfkriegen verhängt wurden, machten aus der einst blühenden Republik Irak schon weit vor den US – Militärschlägen das
Armenhaus des Orients.
Dieses Szenario hat sich tief in das kollektive Gedächtnis vieler Araber und Perser eingegraben und wird auch in Zukunft die wahre Einstellung zu den USA bestimmen.
Die beiden Golfkriege haben die gesamte Region zu einem unberechenbaren Schmelztiegel politischer Labilität gemacht und tiefe ideologische wie auch religiöse Wunden geschlagen.
Zwischenzeitlich reift eine vollkommen neue Form der Intifada in den Köpfen junger Palästinenser.
Man sollte deshalb keinesfalls vergessen, dass durch die erste Intifada der simplen Steinewerfer die regionale Militärmacht Israel an den Verhandlungstisch von Madrid gezwungen wurde.
Doch durch das ständige Taktieren der USA über die mögliche Autonomie, ist der Spielraum für politische Kompromisse extrem eng geworden.
Den DRSB – Rechercheteams im Heiligen Land fiel auf, wie wenig die Israelis, die im Orient ihr Zuhause haben, von den Wünschen, Vorstellungen und der Mentalität der arabischen Vettern verstehen oder verstehen wollen.
Selbst junge Juden lassen es an versöhnlichen Gesten fehlen und die jüdischen Hardliner fordern ohnehin schon jahrelang nur Zugeständnisse von den Palästinensern.
Der Zorn der Intifada findet dadurch immer wieder ausreichend Nahrung und wird auch in Zukunft für jüdische Soldaten zum gefährlichen Problem werden.
Höchstwahrscheinlich hat man in Israel allzu oft und zu intensiv auf amerikanische Versprechen sowie auf undurchführbare Thesen gesetzt.
Das spektakuläre Durcheinander der amerikanischen Außenpolitik ist für einen dauerhaften Friedensprozess vollkommen ungeeignet, denn fast täglich zunehmend realisieren die Araber und Perser die eigentlichen Ausbeutungsabsichten.
Immer häufiger sieht man wieder, dass die jungen Palästinenser die gelben Flaggen der libanesischen Hisbollah im Wind der Freiheit flattern lassen. Eine vernünftige humane oder föderale Partnerschaft mit Israel wird durch die Macht dieser Mythen nicht entstehen können.
Die Mächtigen in Washington sind aber trotzdem „fleißig” dabei, alle nur denkbaren
Katastrophenszenarien
in der Krisenregion zu verwirklichen. Iran lebt deshalb von den USA bedrängt und isoliert im Zustand des kalten Krieges. Eine zwingend notwendige Wirtschaftsbelebung verbauen sich die USA dadurch ständig selber.
Hinzu kommt, dass die unberechenbaren Entwicklungen auf den Energiemärkten durch das endlose Taktieren der USA negative Impulse erhalten.
Statt eine tragfähige Friedensordnung für den gesamten Orient zu konzipieren, haben die Mächtigen in Washington ein Chaos mit unberechenbarem Ausgang geschaffen.
Parallel dazu wächst das Waffenarsenal der Iraner, dass aufgrund der Mitwirkung der europäischen Partner bei der Zusammenstellung den US – Nachrichtendiensten bekannt sein dürfte.
Gefährlich ist dabei nur, dass die Frage nach einem Landfeldzug gegen den Iran allzu häufig öffentlich diskutiert wird.
Bislang sind alle Versuche der USA „grandios” gescheitert, muslimische Widerstandsorganisationen zu spalten.
Je länger die recht blutige Besatzung im Irak andauern wird, desto schneller und intensiver werden die Widerstandskräfte anwachsen, die auf den Pfaden des Kampfes gegen die Ungläubigen wandeln.
Deshalb machen sich im CIA – Hauptquartier in Langley berechtigte Sorgen breit, wie man noch mit vertretbaren Mitteln dem drohenden Desaster entkommen könnte. Denn mit Pakistan, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan und Ukraine stehen zukünftige Unruheherde bereits in Wartestellung.
Vielleicht sollten die Mächtigen in Washington ausnahmsweise einmal auf die arabischen und persischen Stimmen der Völker hören, die da sagen:
„Ia tantahi ma’rakat el khalij”
[ Der Golfkrieg ist nicht zu Ende ].
und einen tatsächlichen Friedensprozess in Gang setzen. Möglicherweise haben die USA nur noch wenige Monate Zeit dazu.
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