Sie sind hier: » Archiv » Leitartikel 2009 » September 2009 » Leitartikel der Woche KW 40 » Muss guter Rat teuer sein? 
 

DRSB

Deutscher Rentenschutzbund e.V.

Redaktionsteam

Leitung:

Udo Johann Piasetzky Heinrich Sternemann Hans - Josef Leiting

Düsseldorf, den 28. September 2009

 

 

Muss guter Rat teuer sein?

 

Erfahrung ist bei vielen Menschen nicht die Summe der Siege, sondern die Summe der Niederlagen.

Aus den gemachten Erfahrungen lernen und gemachte Fehler nicht wiederholen, möchte eigentlich jeder.

Aus dem Chaos der US - Finanz- und Wirtschaftskrise zu lernen, das scheint für Politiker und Manager nicht immer ganz so einfach zu sein.

Wie kann man das Geldverbrennen stoppen?

Wodurch können Bürger unabhängiger beraten werden?

Diese und eine Reihe anderer Fragen stellen sich demokratische Bewegungen in der deutschen Bevölkerung, nicht erst seit der US - Finanz- und Wirtschaftskrise.

Bundesverbraucherschutzministerin

Ilse Aigner

[ CSU ]

plante deshalb noch vor der Bundestagswahl eine umfangreiche Reform der Beratungsmodelle bei Banken, Versicherungen und Finanzdienstleistern.

Die aufgeschlossene Ministerin erwägt eine sinnvolle und nützliche Trennung von Produktvertrieb und Beratung.

Vorausgesetzt, sie hat auch nach der gestrigen Wahl noch die Möglichkeit, ihre Ziele weiter zu verfolgen, so wird diese Ministerin aus Bayern die Finanz- und Versicherungswelt kräftig durchschütteln und verändern können.

Zitat Auszug aus dem Düsseldorfer Handelsblatt von Ilse Aigner:

Wir überlegen in der Tat, ob sich jemand Berater nennen darf,

wenn er gleichzeitig auch dem Vertrieb seiner Organisation dient.

Wichtig für den Verbraucher ist Transparenz.

Ein unabhängiger Finanzberater

darf nicht am Produktvertrieb mitverdienen“.

Zitat Ende.

Klare und sehr deutliche Worte, die, sollten sie tatsächlich zur Umsetzung gelangen, vermutlich viel Nutzmehrendes für die Bürger bewirken könnten.

Trotzdem möchte man laut einigen Politiker auf eine Beratung auf Provisionsbasis nicht gänzlich verzichten.

Wie soll so etwas funktionieren?

Der DRSB e.V. berichtete bereits mehrfach über die Pseudo - Honorarberatung bei der zum Beispiel ein Versicherungskunde zwei Verträge vorgelegt bekommt.

Ein Formular für den Versicherungsabschluss sowie ein weiteres Formular für die Honoraransprüche des Versicherungsvermittlers.

Letzteres wird nach dem so genannten Dirrheimer - Modell von einer Bank „gefactert“,  also vorfinanziert und an den Versicherungsvermittler als

Provisionsersatz - Zahlung

abzüglich der Bankgebühren stornofrei ausgezahlt.

Die Missbräuche, die in der Vergangenheit mit dem im Dirrheimer - Modell getrieben wurden, waren aber zum Nachteil jedes Kunden.

Denn statt der üblichen 3,5% bis 5,5% Honorar von einer Versicherungsbeitragssumme tauchten vereinzelt Honorarverträge auf, die vom Kunden zwischen 8% bis 10% von der Versicherungsbeitragssumme einforderten.

Solche Auswüchse können vermutlich nicht im Interesse von Ministerin

Ilse Aigner

gelegen haben, denn eine solche Entwicklung würde ihre gut gemeinten Ansätze bösartig konterkarieren.

Denn unabhängige Beratung und Vermittlung würden durch ein Honorar - Factoring eines Bankinstituts nur zu Ungunsten der Bürger das Kostenrisiko einseitig verlagern.

Durch eine missbräuchliche Anwendung des so genannten Dirrheimer - Modells würde vermeintlich

GUTER RATteuer zu bezahlen sein.

Für alle beteiligten Bankinstitute ein Bombengeschäft, denn selbst wenn der abgeschlossene Versicherungsvertrag vom Kunden oder sogar von der Versicherung gekündigt werden sollte, so bliebe der „gefacterte“ Honorarvertag bestehen und müsste vergleichbar eines Kreditvertrages mit monatlichen Raten getilgt werden.

Oberflächlich betrachtet wären solche

fragwürdigen Honorarkonstruktionen

zunächst für die Versicherungswirtschaft von Vorteil, denn man bräuchte keinerlei Provisionszahlungen mehr an Vermittler zu leisten.

Kommt es jedoch zu einer Vertragskündigung, merken spätestens dann die Bürger, dass eine unabhängige Produktberatung nicht stattgefunden haben kann.

Die Kostenverlagerung der Provisionskosten auf die Bürger hat also mit einer echten, unabhängigen Produktberatung nicht das Geringste zu tun.

Damit hängt die von der Verbraucherzentrale Baden - Württemberg in den Raum geworfene Frage:

Freund oder Feind

erneut völlig unbeantwortet im luftleeren Raum.

Zu keiner Zeit war bei Banken, Versicherungen oder gar Fondsgesellschaften wirklich

GUTER RAT

umsonst.

Aus den täglich einlaufenden Informationen weiß man beim DRSB e.V., dass leider allzu oft freiberuflich tätige Bankberater oder Strukturvertriebe nur „die“ Produkte an den Bürger bringen, für die sie die höchsten Provisionen kassieren können.

Ausschließlich nach diesem Maximalprinzip

funktionieren noch die obsoleten Modelle der deutschen Strukturvertriebsorganisationen.

In der heutigen wirtschaftlich angespannten Situation fällt es vielen Bürgern wie Schuppen von den Augen, dass die Beratung von Strukturvertrieben, Hausbanken oder von manchen Versicherungsvermittler nicht optimal war und man dadurch in vielen Fällen sein Geld verlieren musste.

Da stellt sich dann die Frage:

 „Freund oder Feind

nicht mehr, denn diese Beratungen waren weder neutral noch unabhängig.

Die Erfahrung zeigt, dass gerade die undurchschaubaren Altersvorsorge- oder Anlageprodukte bestens dazu geeignet erscheinen, damit Banken oder Fondsgesellschaften darin Aufschläge, so genannten

Kick - Backs

[ verdeckte Motivations- oder Sonderzahlungen ]

oder Provisionen verschleiern oder verstecken können.

Denn die vorgenannten Geldleistungen gehen immer zu Lasten eines Kunden und verschlechtern oftmals durch ihre unangemessene Höhe die Leistungsfähigkeit der angebotenen Vorsorge - Produkte.

Bürger, die Wert auf eine wirklich neutrale Beratung legen, sollten also sich einem echten Honorarberater suchen und diesen auch konsultieren.

Doch spätestens hier werden die Meisten auf ein Problem stoßen, denn gemäß einer Studie aus dem Ministerium von Ministerin

Ilse Aigner

sind lediglich 0,3% aller deutschen Finanzvermittler reine Honorarberater.

Hinzu kommt, dass die meisten Deutschen nahezu alle ihre so genannten Geldgeschäfte bei der Deutschen Bank, der Commerzbank, bei Sparkassen oder Volks- und Raiffeisenbanken erledigen, obwohl das Vertrauen in Hausbanken in allen Umfragen rapide absinkt.

Aber selbst größere Strukturvertriebsorganisationen wie zum Beispiel

AWD, DVAG, OVB oder gar MLP

sind erfahrungsgemäß nicht besser und schwatzen, mit dem Tarnanstrich einer vermeintlichen Unabhängigkeit, den Bürgern täglich neue Schwindeleien auf.

Seriöse Verbraucherschützer warnen regelmäßig vor den Vertriebsmethoden der Provisionsjäger.

Auch stellen die engagierten Verbraucherschützer die so genannten

Rating - Agenturen

und deren Bewertungssysteme in Frage.

Denn diese

vorgeblich neutralen Bewerter

sorgten in der Vergangenheit dafür, dass urplötzlich bestimmte Altersvorsorge- und Anlageprodukte an der Spitze der Empfehlungslisten standen und bereits wenige Wochen danach „floppten“ und zum Totalverlust für die Kunden wurden.

Von solch hinterlistigen Branchen - Tricks ahnen die gutgläubige Menschen in unserer Heimat nur wenig.

Wie der DRSB e.V. berichtete, werden dadurch jährlich rund

30 Milliarden Euro

an Kundengeldern vernichtet.

Einer Studie von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner zufolge merken die Bürger erst nach den Verlusten, wie miserabel die teuer bezahlte Beratung war.

Die eigentlichen Probleme

sind sehr tief in den Vertriebssystemen verwurzelt.

Denn Mitarbeiter von Banken, Versicherungen oder Strukturvertrieben - ob nun festangestellt oder freiberuflich tätig - haben hohe Verkaufsvorgaben und müssen die vorgegebenen monatlichen Umsatzziele auf Biegen und Brechen erreichen.

Besonders freie Mitarbeiter aus Strukturvertrieben sowie Bankangestellte stehen unter fürchterlichem Erfolgsdruck, wie bereits mehrere Politikmagazine in ARD und ZDF berichteten.

Auch sie gehören zu den wahren Opfern dieser brutalen und menschenverachtenden Verkaufssysteme.

Wer seine monatlichen Umsatzziele nicht erreicht oder sogar nur ungeliebte Produkte verkauft, findet sich in der Regel im nächsten Monat bereits auf der

Abschussliste

und kann sich schon einmal nach neuen Betätigungsfeldern umschauen.

Diese unmenschlichen Stress - Methoden halten die meisten Mitarbeiter nur kurze Zeit aus und werden häufig krank.

Das Immunsystem der Betroffenen kollabiert in immer kürzeren Abständen, so dass der DRSB e.V. beobachten konnte, dass nicht nur die psychischen Erkrankungen zunehmen.

Die Krankenkassen registrieren seit rund zehn Jahren einen bedenklichen Anstieg von solchen Erkrankungen bei freien Mitarbeiter aus Strukturvertrieben sowie bei Bankangestellten.

In den Medien wird dieses Problemthema nur am Rande gestreift, weil man vermutlich die geschäftlichen Aktivitäten der Auslöser nicht behindern möchte.

So bleiben Bürger, freie Mitarbeiter aus Strukturvertrieben sowie Bankangestellte die leichte Beute von internationalen Finanzkonzernen.

Solange lediglich der DRSB e.V. dieses brisanten Problemfelder thematisiert werden nur mit kleinen Schritten die Bürger zur Transparenz gelangen, denn eine Vielzahl vertreten noch immer die gutgläubige Ansicht:

Warum soll ich für Altersvorsorgeprodukte

bezahlen, wenn ich diese kostenlos erhalten kann“?

und sitzen umgehend in der Falle der internationalen Finanzkonzerne.

Neutrale, qualitativ hochwertige Beratung können selbst die engagiertesten seriösen Verbraucherschützer nicht kostenlos anbieten.

Eine nutzmehrende Honorarberatung erfordert umfangreiches Fachwissen, langjährige Erfahrungen und modernste Technik.

Viele der selbsternannten Honorarberater verfügen über gar nichts der gleichen.

Denn wenn ein vorgeblich unabhängiger Berater auf der Provisions- oder Gehaltsliste eines großen Konzerns steht, wird er niemals neutral oder unabhängig beraten können.

Maßgerechte

Absicherung der Lebensrisiken

gehört nicht in die Hand von gierigen Provisionsjägern oder internationalen Finanzkonzernen, sondern bedarf einer Vertrauensinstanz, die unabhängig von Provisions-  und Vergütungsinteressen die Nutzmehrung der Bürger zum Ziel hat.

Das politische Ziel muss deshalb lauten:

Gut beraten, Vorsorge komplett und Kosten gespart“.

Nur mit neutraler und völlig unabhängiger Vorsorgeberatung kann es gelingen, das verloren gegangene Vertrauen der Bevölkerung in Banken und Versicherungen zurück zu gewinnen.

Pseudo - Honorarberatung wie sie von den aufgeweckten Banksystemen

Comdirect und Cortal Consors

demnächst angeboten werden soll, beziehen sich nicht auf Fremdangebote und sind damit selbstreferenzierend.

Wenn also rund 4.000 Kunden von Cortal Consors demnächst Post bekommen und ihnen für ein zu verwaltendes Anlagedepot von bis

100.000 Euro - 1% Honorar zuzüglich Mehrwertsteuer

in Rechnung gestellt werden soll, dann ist so etwas lediglich die Offenlegung von Gebühren, Ausgabeaufschläge oder sonstigen Provisionen, auch wenn die Kunden am Ende des Jahres alle Vertriebsprovisionen zurückerstatten bekommen sollen.

Vorsicht also vor schwarzen Schafen, die wie immer auf einer neuen Welle mitsurfen möchten und als Finanzplaner, Finanzoptimierer oder Pseudo - Honorarberater getarnt sein können.

In einem vertraulichen Schreiben an Ministerin Ilse Aigner hat der DRSB e.V. bereits darum gebeten, den aus dem Ruder laufenden Verbraucherschützern [ hier insbesondere Baden - Württemberg und Hamburg ] bei ihrer Arbeit stärker auf die Finger zu schauen, denn die Frage:

Wer kontrolliert die Kontrolleure?“

scheint in Stuttgart und Hamburg das eigentliche Kernproblem zu sein.

Das der Ministerin kurz vorgestellte

DRSB - Mehrkreis - Honorarberatungssystem

[ ohne wirtschaftliche Interessen ]

könnte schon in wenigen Wochen im Rahmen einer konzertierten Langzeitmaßnahme in Zusammenarbeit mit der deutschen Versicherungswirtschaft sowie den Banken eine höchst wirksame Nutzmehrung für alle Bürger einläuten.

Möglicherweise müssen hierzu noch einige Widerstände überwunden werden.

Denn es bleibt zu befürchten, dass die Lobbyisten der großen internationalen Finanzkonzerne ihr milliardenschwere Geschäfte nicht kampflos aufgeben möchten.

 

             

 

DRSB

 

Wir kämpfen seit 21 Jahren mit der Stimme der Demokratie

für

einen modernen Sozialstaat,

sichere, langfristige Arbeitsplätze,

sinnvolle, gerechte und lernfähige Rentensysteme,

sichere, gerechte und leistungsfähige Sozialsysteme,

und für

korruptionsfreie Demokratie in Deutschland und der EU.

 

 

             

 

Stand: 28.09.09

DRSB e.V.
Deutscher Rentenschutzbund e.V.

Ikenstraße 8
40625 Düsseldorf
(Verwaltungssitz)
eMail: drsb@deutscher-rentenschutzbund-ev.de
Website: http://www.deutscher-rentenschutzbund-ev.de
Impressum

Wer wir sind
Links

Spenden für ein nutzmehrendes
deutsches Rentensystem