Blind, beschränkt oder mitwissend?
[ Obamas persönliches Golf - Desaster? ]
26. Juni 2010
Die USA verfügen über Technik, die in der Lage ist, fast alle Telefongespräche weltweit gezielt abzuhören, auf Tonträger zu speichern und Stimmcharakteristika von überwachten Personen fehlerfrei zuzuordnen.
Durch bestimmte Stichworte zu diversen Themenkreisen „klinken“ sich die amerikanischen Computer automatisch in Millionen von Gesprächen ein und schneiden diese mit.
Mit der genauen Auswertung sind mehrere Zehntausende von Staatsangestellten
[ Beamte ] täglich voll beschäftigt.
Zum Umfang der Überwachungsmaßnahmen gehört auch, dass zum Beispiel die Kreditkartennutzungen beobachtet und immer „tagesfrisch“ ausgewertet zur Verfügung stehen.
Zwangläufig taucht also die Frage, auf, warum die amerikanischen Behörden mit ihrem Geld, Technik- und Personalaufwand nicht in der Lage waren oder sind, von den Gefahren einer Tiefseebohrung Kenntnis zu erlangen und Vorsorgemaßnahmen anzuordnen.
Nichts dazugelernt,
obwohl das Weltall gespickt ist mit Satelliten, die jedes nur denkbare Signal rund um die Uhr aufzeichnen?
Inzwischen hat sich herausgestellt, dass einige Beamte der US - Kontrollbehörde zur Öl - Industrie gewechselt sind, denn ein paar hohe Beamte des
Minerals Management Service
[ (MMS ]
hatten schon 2005 erhebliche Bedenken gegen Ölbohrungen in der Tiefsee.
Zu ihnen gehört der einflussreiche Beamte
Jim Grant,
der vermutlich die besonderen Gefahrenpunkte kannte und auf die wenigen oder gar keine Bestimmungen und Standards hinwies. Knapp zwei Jahre später gab er seinen gut dotierten leitenden Posten in der Region des Golfs von Mexiko auf und ging zu
British Petroleum
[ BP ].
Also zu dem Öl - Konzern, den er für seinen bisherigen Arbeitgeber [ (MMS ]
zu kontrollieren hatte. Den Mitarbeitern von
Minerals Management Service
[ (MMS ]
lagen auch alle Unterlagen und Berichte zur Ölpest im Golf von Mexiko aus dem Jahr 1979 vor.
Damals
führte ebenfalls ein unterdimensionierter und defekter Blowout - Preventer zur langanhaltenden Ölpest.
Damals
wollte man die Ölkatastrophe mit den gleichen Maßnahmen bekämpfen, die auch bei der aktuellen Ölpest angewendet werden.
Damals
führte das gleiche Vorgehen nicht zum schnellen Erfolg.
Damals
explodierte im Golf von Mexiko die Ölbohrplattform
Sedco 135F
nach einem Blowout, so bezeichnet man das unkontrollierte Ausströmen von Erdgas. Grund für das Unglück war ein nicht funktionierender Blowout - Preventer. Genau solch ein Sicherheitsventil versagte auch auf der explodierten Ölbohrinsel
Deepwater Horizon
am 22. April 2010, die im Golf von Mexiko unterging.
Damals
im Jahr 1979 war der Betreiber der Bohrplattform
Sedco 135F
das Unternehmen Sedeco aus dem wenig später die Schweizer Firma
Transocean
hervorging, die heute die versunkene Bohrinsel
Deepwater Horizon
betreibt. Die Häufung der Ungereimtheiten macht misstrauisch, denn bereits 1979 versprühte der Bohrkonzern chemische Dispersionsmittel über den wachsenden Ölteppich und versuchte mit schwimmenden Barrieren das Öl von den Küsten fernzuhalten.
Es mag jetzt kaum noch einen Leser verwundern, doch auch damals versuchte man völlig vergeblich den todbringenden Ölfluss mit dem untauglichen Verfahren
„Top Kill“
zu stoppen. Dabei wurden genau wie heute erfolglos mit hohem Druck Schlamm und Gummiteile in die defekte Steigleitung gepumpt.
British Petroleum
[ BP ]
kannte dieses völlig untaugliche Verfahren, dass am 30. Mai 2010 erneut erfolglos am Steigrohr der Deepwater Horizon angewendet wurde. Fernsehbilder belegen es unwiderlegbar, dass schon 1979 der Versuch scheiterte, mit einer Absaugglocke das ausströmende Öl einzufangen. Selbst die so genannten Entlastungsbohrungen konnten 1979 den Ölfluss erst nach zehn Monaten stoppen.
British Petroleum
[ BP ]
arbeitet zurzeit an solchen Entlastungsbohrungen.
Damals
wie heute konnte BP nur einen kleinen Teil des ausströmenden Öls absaugen.
Zitat / Auszüge
von Professor Mattias Reich von der Bergakademie Freiberg in Deutschland:
„Zum Glück hat man es geschafft, so seit
den 1980er Jahren diese Blowouts zu reduzieren.
Jetzt ist nicht mehr einer pro Monat, sondern ein bis zwei pro Jahr“.
Zitat Ende.
Man kennt die Gefahren! Wie auch andere seriöse Wissenschaftler vermisst Professor Reich einheitliche internationale Sicherheitsbestimmungen für alle Tiefseebohrungen. Diese und andere Warnungen standen den Mitarbeitern vom
Minerals Management Service
[ (MMS ]
uneingeschränkt zur Verfügung. Wegen der bekanntermaßen mangelnden Zuverlässigkeit der so genannten
Blowout - Preventer
müsste also weltweit ausreichend Sicherungsmaterial für Notfälle bereitstehen, wenn eine Tiefseebohrung durchgeführt werden soll.
Täglich treten noch immer mindestens acht Millionen Liter Öl aus und verseuchen den
Golf von Mexiko.
Nicht nur die Direktorin des US - amerikanischen Geologischen Dienstes,
Marcia McNutt,
streckt da die Waffen, denn endgültige Abhilfe soll „frühestens“ im August 2010 in Sicht sein.
Vorausgesetzt mit Parallelbohrungen könnte die schadhafte Quelle zum Versiegen gebracht werden. Doch solche schwierigen Bohr - Operationen brauchen nun mal ihre Zeit.
Im Jahr 1979 dauerte es elend lange zehn Monate.
Unterdessen bleibt den vielen fleißigen Helfer der US-Fischerei- und Wildbehörde an der Küste Louisianas nichts anderes übrig, als vom Öl verschmierte Vögel zu säubern, denn das Marschland von Louisiana ist ein Rückzugsgebiet für unzählige seltene Tierarten.
Hier nisten nicht nur Braune Pelikane, Seeregenpfeifer und Zwergseeschwalben, sondern tausende andere Vogelarten auf mehr als 400 verseuchten Küstenkilometern.
Der sicherlich finanziell lukrative Seitenwechsel von
Jim Grant
ist lediglich nur ein Beispiel für die vermutlich korrupten Verflechtungen zwischen MMS und der amerikanischen Öl - Industrie.
US - Präsident Barack Obama äußerte die lobenswerte Absicht, Klüngeleien beseitigen
zu wollen, denn nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko gerät diese offensichtlich korrupte Praxis zunehmend ins Visier der kritischen Öffentlichkeit.
Ein amtlicher Bericht, der in Washington vorliegt, scheint zu beweisen, dass Mitarbeiter der Kontrollbehörde der Öl - Industrie so nahe standen, dass sie regelmäßig Geschenke von Öl- und Gasunternehmen annahmen und sogar darüber verhandelten.
Zitat / Auszüge
Generalinspekteurin des Innenministeriums Mary Kendall:
„Meine größte Sorge
ist das Umfeld, in dem diese Kontrolleure arbeiten.
Besonders die Leichtigkeit,
mit der sie sich zwischen Industrie und Staat bewegen“.
Zitat Ende.
Blind, beschränkt oder mitwissend?
Für Barack Obama entwickelt sich das Golf - Desaster zur persönlich schwersten Niederlage, denn gezielten Nachforschungen zufolge haben Mitarbeiter des
Minerals Management Service
[ (MMS ],
bereits in Jobverhandlungen mit der Firma
Island Operating Co.
Gestanden, bevor sie wechselten. Die MMS untersuchte zwar vier Bohrinseln dieses Unternehmens und fand keinerlei Probleme vor.
Seltsam? Zufall?
Oder schlichtweg nur simple Korruption?
Die MMS scheint nach vorliegenden Informationen tiefgreifend mit der Öl - Industrie auf das Engste verbunden zu sein.
Gemäß der Rechercheberichte aus dem amerikanischen Innenministeriums vergnügen sich Staatsangestellte mit Vertretern der US - Energiewirtschaft bei Partys, Sex und Drogen. Man bezeichnet intern diese dubiosen Entwicklungen als verfestigte
„Kultur des Drogenmissbrauchs und der Promiskuität“.
Privat vor Staat?
[ FDP - Botschaft in Deutschland ].
In den meisten amerikanischen Behörden häufen sich die Interessenkonflikte und führen nicht nur in eine Zeit des
„moralischen Versagens“.
Die Grenzen zwischen Kontrolleuren [ Beamten ] und Kontrollierten [ Öl - Industrie ] sind praktisch vollkommen verwischt.
Sind diese Vorgänge also lediglich Barack Obamas persönliches Golf - Desaster?
Durchleuchtet man das komplette Szenario, dann stößt man sofort die gespielte Ahnungslosigkeit der Mächtigen in Washington.
Was oder wem nützt diese geheuchelte Empörung?
Gäbe es eine funktionierende und unabhängige internationale Medienlandschaft, würde der Protest der gesamten Welt der US - Regierung schwer zu schaffen machen.
Doch um die letztlich verfehlte Wirtschaftspolitik fortzusetzen und gleichwohl den Status der Supermacht zu erhalten, werden die Ereignisse rund um die explodierte Bohrplattform niemals objektiv betrachtet werden.
Täuschungen, Lügen und falsche Spuren
bestimmen auch weiterhin das Elendsszenario am Golf von Mexiko.
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