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DRSB

Deutscher Rentenschutzbund e.V.


DRSB e.V. • Ikenstraße 8 • 40625 Düsseldorf

Herrn

Martin Blessing

Vorstandsvorsitzender

 

Commerzbank AG

Kaiserplatz

D - 60311 Frankfurt am Main

 

15. Oktober 2010

Erstes offenes Schreiben an Herrn

Martin Blessing

Vorsitzender des Vorstands der Commerzbank AG

 

 

Aktuelle und zukünftige Rentenbezieher

 

Sehr geehrter Herr Blessing,

 

die Diskussion um die Notwendigkeit der Stärkung des Eigenkapitals von Banken

[ Basel III ] verschreckt viele aktuelle und zukünftige Rentenbezieher und löst unweigerlich Fragen nach der zukünftigen geschäftlichen Entwicklung Ihres Hauses aus.

Zielsetzung von Basel III ist die Stärkung des Eigenkapitals als Haftungssumme von Banken und soll in Relation zur Bilanzsumme in den nächsten Jahren weltweit stufenweise heraufgesetzt werden.

Nach Medienberichten ist in Ihrem Hause geplant, im Rahmen einer Kapitalerhöhung zur Vorbereitung auf Basel III die erhaltene Staatsanleihe in Höhe von circa 18 Milliarden Euro wieder zurückzuführen.

Sind diese Berichte zutreffend?

Aufgrund der staatlichen Unterstützung Ihres Hauses sind die Vorstandsbezüge auf jährlich 500.000,00 Euro begrenzt worden. Warum greift dieses Kriterium nicht für das ausgeschiedene Vorstandsmitglied Bernd Knobloch, welcher gemäß Ihrem Jahresabschlußbericht 2009 Bezüge für die Geschäftsjahre 2008 und 2009 in Höhe von insgesamt 6.245.000,00 Euro erhalten hat?

 

Eine Erhöhung der Eigenkapitalquote kann rechnerisch auch durch eine Verringerung der Bilanzsumme erzielt werden. Für den bilanziellen Ausweis von derivativen Finanzinstrumenten wählen Sie in Ihrem Jahresabschluss die so genannte Nettomethode. Ihr Jahresabschluss hätte bei der so genannten Bruttomethode somit ein völlig verändertes Bild.

Welche Auswirkungen erhoffen Sie sich aus der Ausübung dieses Wahlrechts auf die Eigenkapitalkriterien nach Basel III?

In Ihrem Jahresabschlußbericht 2009 umschreiben Sie Derivate wie folgt:

 

Zitat Anfang:

Bei einem Derivat handelt es sich um ein Finanzinstrument, dessen Wert von einem so genannten Basiswert abhängt. Dieser Basiswert kann beispielsweise ein Zinssatz, ein Warenpreis, ein Aktien-, Währungs- oder Anleihenkurs sein. Dabei erfordert das Finanzinstrument keine oder, im Vergleich zu anderen Vertragsformen mit ähnlicher Reaktion auf Marktbedingungsänderungen, nur geringe Anschaffungskosten. Der Ausgleich erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt.

Zitat Ende.

 

Der Nominalbetrag Ihrer fremdwährungsabhängigen, zinsabhängigen und sonstigen Termingeschäfte beträgt zum 31. Dezember 2009 circa 12,8 Billionen Euro [ Vorjahr circa 6,7 Billionen Euro ]. Das Volumen hat sich gegenüber dem Vorjahr quasi verdoppelt.

Wie hoch ist der aktuelle Stand Ihrer Derivate?

Ihre Termingeschäfte haben vielfach eine langjährige Laufzeit. Dienen die verschiedenen Termingeschäfte ausschließlich der Bedienung aus beauftragten Kundengeschäften zur Sicherstellung von Kurs- und Zinsrisiken in der Realwirtschaft?

Falls nein, wie hoch ist der Eigenanteil der Derivate?

Als Folge der amerikanischen Finanz- und Wirtschaftskrise spricht man seit kurzer Zeit von einem weltweiten Währungskrieg.

Besteht aufgrund möglicher Manipulationen von amerikanischen Ratingagenturen und möglicher gezielter Fehlinformationen anderer institutioneller Marktteilnehmer für Ihr Haus die Gefahr, den Zielkorridor Ihrer langfristig festgelegten Markteinschätzungen zu verfehlen?

Sind in den Termingeschäften zum Nominalwert von 12,8 Billionen Euro Währungs- und Zinsderivate gegen EU - Staaten, die im Fokus der amerikanischen Ratingagenturen stehen, enthalten, welche bei einem Zahlungsausgleich zu einem späteren Zeitpunkt womöglich durch den Euro - Rettungsschirm der EU aufzufangen wären?

Für einen Teilbetrag der Verbindlichkeiten Ihres Hauses gegenüber Kreditinstituten, Kunden und andere Positionen in Höhe von circa 97,8 Milliarden Euro wurden Teilbeträge von Vermögenswerten in Höhe von circa 100,5 Milliarden Euro aus Forderungen an Kreditinstitute und Kunden sowie Handelsaktiva und Finanzanlagen als Sicherheit abgetreten. Werden Ihre Kunden und Geschäftspartner über diese Abtretungen informiert?

Wenn ja, in welcher Form?

Welche Möglichkeiten eines frühzeitigen Bankenwechsels empfehlen Sie Ihren Kunden für den Fall einer Inanspruchnahme aus den Abtretungen?

Aktuelle und zukünftige Rentenbezieher beobachten mit großer Sorge die Medienberichte über die Auswüchse des Investment Bankings. Aus diesen Gründen ist es geboten, die besorgten Bürger zeitnah und umfassend zu informieren.

Für Ihre Mühewaltung bedanken wir uns im Voraus.

 

Mit freundlichen und besten Grüßen aus Düsseldorf

Ihr

Ihr

Udo Piasetzky

Hans - Josef Leiting

Vorstandsvorsitzender des DRSB e.V.

Vorstandsmitglied des DRSB e.V.

 

 

 

 

 

Stand: 15.10.2010

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