DRSB
Deutscher Rentenschutzbund e.V.
DRSB e.V. • Ikenstraße 8 • 40625 Düsseldorf
Herrn
Götz Wenker
Geschäftsführung Vertrieb
Allgemeiner Wirtschaftsdienst
Gesellschaft für Wirtschaftsberatung
und Finanzbetreuung mbH
AWD - Platz 1
D - 30659 Hannover
Düsseldorf, den 24. Oktober 2009
Zweites offenes Schreiben an
Herrn Götz Wenker
Geschäftsführung Vertrieb
Datenschutz beim AWD
Hier: „Ihre aktuelle Datenpanne“
Sehr geehrter Herr Wenker,
bekanntlich wurde dem Chef Ihres Mitbewerbers DVAG, Reinfried Pohl, aus Frankfurt am Main von Helmut Kohl das Bundesverdienstkreuz verliehen.
Nach der Ansicht von Helmut Kohl hat Reinfried Pohl mit seinem Allfinanzkonzept Geschichte geschrieben, zusätzlich kürte ihn das Manager - Magazin zum besten Verkäufer Deutschlands.
Angeblich soll Reinfried Pohl einen Beruf ohne Gehalt, ohne Sozialabsicherung, ohne geregelte Arbeitszeit, ohne Urlaubsgeld, ohne Mutterschaftsanspruch, ohne Tarife und ohne Streikrecht erfunden haben.
Wie wir aber gemeinsam wissen, hat der DVAG - Chef lediglich die Vorgaben aus der insolventen Fondsgesellschaft IOS auf die deutsche Assekuranz übertragen und angepasst.
Auch Ihre Gesellschaft arbeitet noch heute nach dem quasi sektenähnlichen Abhängigkeitsprinzip von Provisionsauslösungen für Versicherungen, Fonds- und Geldanlagen.
Dieses „Berufsbild“ bezeichnen die meisten Strukturvertriebe als Vermögens- oder Anlageberater.
In Ihrem Hause spricht man von „Vermögensoptimierern“.
Nicht nur die investigativen Journalisten des WDR - Magazins
„Die Story“
ermittelten, dass dieser so genannte „Traumberuf“ nur wenigen Protagonisten tatsächlich Lebensglück, Wohlstand oder sogar Reichtum einbrachte.
Die Vielzahl der Vermögensberater oder Vermögensoptimierer übernehmen sich finanziell und sind dazu gezwungen, quasi wie Raubtiere jeder sich bietenden Provisionsquelle hinterher zu jagen.
Wie der DRSB e.V. bereits mehrfach berichtete, werden anfänglich zuerst die Freundes- und Familienkreise mit einer vermeintlichen Vermögensoptimierung beglückt.
Gelingt es Ihren Vermögensoptimieren nicht dauerhaft viel zu verkaufen, werden sie in den meisten Fällen - ohne wenn und aber - schnellstens entsorgt.
Überhäuft mit Zahlungsverpflichtungen gelingt es vielen Aussteigern erst nach mehreren Jahren der geordneten Erwerbsarbeit, sich aus der Schuldknechtschaft zu befreien.
Seit dem 04. August 2009 ist erschwerend für Ihre Finanzoptimierer das Gesetz zur Bekämpfung unerlaubter Telefonwerbung und zur Verbesserung des Verbraucherschutzes bei besonderen Vertriebsformen in Kraft getreten.
Denn die lästige und unerwünschte Telefonwerbung entwickelte sich in den zurückliegenden Jahren zu einem erheblichen Problem für viele Menschen in unserer Heimat. Für Ihre Vermögensoptimierer ist jedoch dieses neue Gesetz quasi ein Berufsverbot. Wie will man außerhalb des Freundes- und Familienkreises - ohne jeglichen erlaubten Telefonkontakt - noch Kunden für eine persönliche Finanzanalyse finden? Da wäre es schon besser, wenn „alte“ Kunden anrufen und sich erkundigen, was es Neues auf dem Geldmarkt des kollektiven Geldverbrennes gibt. Bedauerlicherweise gibt es vermutlich äußerst wenige Menschen mit einem solchen Bedürfnis.
Bedingt durch die Zunahme von Aussteigern kursieren auf dem Markt die tollsten Gerüchte, dass zum Beispiel komplette Vertriebseinheiten in neue Strukturvertriebe wechseln möchten und natürlich ihre Kundenpotentiale als Anreiz für die Investoren mitbringen wollen.
Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2007 entstand möglicherweise aus den vorgenannten Gründen in Ihrer Hauptverwaltung ein nicht unerhebliches Datenleck.
Echte interne Provisionsabrechnungen von rund 1500 Vertriebsoptimierern aus den Jahren 2003 und 2004 sollen damals den Weg ins Internet gefunden haben.
Nach uns vorliegenden Informationen stellte damals Ihre Geschäftsleitung ordnungsgemäß Strafantrag.
Was haben die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nach zwei Jahren ergeben? Konnten die vermeintlichen Datendiebe gefasst werden?
Nun wurde Ihr Unternehmen womöglich schon wieder das Opfer von gezielter Betriebsspionage. Wie der NDR berichtet, wurden dem Sender 27.000 Datensätze von Kunden Ihres Unternehmens zugespielt.
Die Ermittlungen führen hoffentlich sehr schnell zu einem befriedigenden Ergebnis, denn die betroffenen AWD - Kunden könnten durch das Datenleck selbst zu Opfern krimineller Elemente werden.
Im Zusammenhang mit der Offenlegung der AWD - Kundendatensätze erhielt der DRSB e.V. brisante Informationen zugespielt, die der schnellen Klärung bedürfen.
Angeblich soll Ihr Unternehmen die Datenpanne selber „inszeniert“ haben, damit die Betroffenen in Angst um den Schutz ihrer persönlichen Daten mit den betreuenden AWD - Vermögensoptimieren sofort telefonisch in Kontakt treten. Dadurch soll das neue Gesetz unterlaufen und die Basis für zusätzliche Vertragsabschlüsse gelegt werden.
Was, sehr geehrter Herr Wenker, ist an diesen Gerüchten tatsächlich dran?
Sollte sich nämlich bestätigen, dass man in Ihrem Hause womöglich aus der Not heraus bereits zu solch bedenklichen Maßnahmen greifen muss, dann wäre nicht nur der DRSB e.V. dazu gezwungen, alle aktuellen und zukünftigen Rentenbezieher vor solchen Methoden zu schützen.
Unabhängig von der Erstattung Ihrer Strafanzeige hat der DRSB e.V. deshalb ein Rechercheteam mit eigenen Ermittlungen beauftragt.
Schon die fragwürdigen Vorgänge um die untauglichen Makleraufträge konnten bis heute von Ihnen nicht geklärt werden.
Es bleibt also zu hoffen, dass Sie diesmal mehr Erfolg haben, denn diese erneute Panne in Ihrer Verwaltung zeigt, dass beim AWD ein wirksamer Schutz von Daten nur schwerlich zu gewährleisten ist.
Wir bitten Sie deshalb, die gestellten Fragen zeitnah und umfassend zu beantworten.
Für Ihre schriftliche Antwort haben wir uns den
04. November 2009
vorgemerkt.
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Mit freundlichen und besten Grüßen aus Düsseldorf |
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Ihr |
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Udo Piasetzky |
Hans - Josef Leiting |
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Vorstandsvorsitzender des DRSB e.V. |
Vorstandsmitglied des DRSB e.V. |