DRSB
Deutscher Rentenschutzbund e.V.
Redaktionsteam
Leitung:
Udo Johann Piasetzky • Heinrich Sternemann • Hans - Josef Leiting
Düsseldorf, den 30. September 2009
Shareholder Value
[ Aktionärswert ]
Wann endet die Jagd nach möglichst hohen Aktienkursen?
Bevor man weltweit die Finanztrümmer der Verwüstungen, die durch die
US - Finanz- und Wirtschaftskrise
entstanden sind, beseitigen kann, beginnt die Zeit des Analysierens sowie des Nachdenkens darüber, inwieweit das Monster - Konzept des
Shareholder - Value
sich vergleichbar mit dem Marxismus im Jahr 1989 überlebt hat.
Denn seit über 20 Jahren dominiert dieses Börsenkonzept das Denken und Handeln der Manager, demzufolge sich jedes Unternehmen in erster Linie um die materiellen Interessen der Anteilseignern kümmern hat.
Alles andere, wie zum Beispiel
sichere Arbeitsplätze für Mitarbeiter, gute Produktqualität,
saubere Umwelt oder einfach nur die Kundenwünsche
wurden durch das Shareholder - Value - Denken zweitrangig.
Noch heute wird der Begriff des Shareholder Value anders verstanden als sein geistiger Vater es ursprünglich beabsichtigt haben will.
Sollte man diesen Monster - Begriff überhaupt noch verwenden?
Denn der Begriff Shareholder Value ist für fast jeden unternehmerischen Unsinn in den zurückliegenden 20 Jahren verantwortlich und wird bedauerlicherweise unwissend von einigen Medien noch immer hochgelobt.
Shareholder - Value
hat vieles, was sich derzeit in der Wirtschaft abspielt, verändert und drängt nach dem Finanzcrash weltweit alle Unternehmen, in Richtung einer neuen Langfristigkeit zu denken und zu arbeiten.
Denn billiges Kapital von gutgläubigen,
ahnungslosen Bürgern wird es nicht mehr im Überfluss geben.
Mit hektischen Akquisitionen und voreiligen Zukäufen von Unternehmen lassen sich schon seit Jahren keine echten unternehmerischen Erfolge mehr erzielen [ siehe zum Beispiel das Porsche - Desaster oder das Arcandor - Debakel ].
Auch fehlendes Eigenkapital kann man jetzt nicht mehr beliebig durch preiswerte Kredite ersetzen [ Porsche - Syndrom ], um auf diese Weise gestiegene Renditen oder Gewinne anzutäuschen.
In Zukunft werden nur die Unternehmen noch Erfolg haben können, die tatsächlich echte Geschäftsmodelle vorweisen und aus stabilen Kerngeschäften langfristig steigenden Cashflow sowie aus stetig wachsenden Umsatz wirtschaftliche Stabilität entwickeln.
Nichts anderes wollte 1986
Alfred Rappaport
angeblich mit seinem Buch über Shareholder - Value sowie über die Wertsteigerung als Maßstab für die Unternehmensführung bewirken.
Gemäß den Vorstellungen von Alfred Rappaport hat die Unternehmensleitung im Sinne der Anteilseigner zu handeln.
Das vorgebliche Hauptziel sollte die Maximierung und Stabilisierung des langfristigen Unternehmenswertes durch Gewinnmaximierung und Erhöhung der Eigenkapitalrendite sein.
Alfred Rappaport
definierte den Shareholder Value als Marktwert des Eigenkapitals.
Denn aus dem Kurswert einer Aktie multipliziert mit der Anzahl der gehaltenen Wertpapiere entsteht der eigentliche
Vermögenswert [ Value ], den ein Anteilseigner [ Shareholder ]
an einer Aktiengesellschaft besitzt, so das Fazit des Amerikaners.
Eine ausschließlich auf den
Shareholder Value
ausgerichtete Unternehmenspolitik muss demnach versuchen, den Kurswert der Aktien und damit den Marktwert des Gesamtunternehmens - egal wie auch immer - zu maximieren.
Alfred Rappaport
verstand angeblich darunter allerdings nicht nur eine kurzfristige Steigerung des Börsenkurses, sondern eine langfristige Optimierung der Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität einer Aktiengesellschaft.
Ob nun
Arcandor, General Motors oder Thomas Haffas EM.TV,
in allen Fällen der vorgenannten wirtschaftlichen Zusammenbrüche musste jedes Mal der Renditedruck des Kapitalmarkts als „billige“ Begründung herhalten oder der vorgebliche Zwang, die Eigenkapitalrenditen immer weiter zu steigern, um die Börsenkurse nach oben zu treiben.
In den vorgenannten drei Fällen wurde bekanntlich genau das Gegenteil erreicht:
Milliarden Euro oder US - Dollar
an Aktionärskapital wurden leichtfertig verbrannt.
Trotzdem hält der geistige Vater des unsäglichen
Shareholder Value
sein betriebswirtschaftliches Monsterwerk keinesfalls für gestorben, denn es sei in all den Jahren lediglich durch gierige Investoren und Manager missbraucht worden.
Alfred Rappaport
glaubt noch immer fest daran, dass, wenn die Prinzipien des Shareholder Value universell angewandt worden wären, eine Finanzkrise oder Wirtschaftskrise niemals hätte entstehen können.
Auch so lässt sich wohlig von guten Dingen träumen.
Nach den reihenweisen Zusammenbrüchen amerikanischer Banken, der kurzfristigen Insolvenz von General Motors schwört nun der geläuterte glühendste Anhänger und härteste Verfechter der Shareholder - Value - Lehre von den obsoleten Börsen - Prinzipien ab.
Der ehemalige Chef von General - Electric
Jack Welch
macht im hohen Alter jetzt die Wandlung vom Saulus zum Paulus durch und scheint täglich tonnenweise Kreide zu fressen.
Viele hören seine mahnenden Worte zum Monsterwerk des
Shareholder Value,
aber können den ausgesprochenen Weisheiten keinerlei Glauben abgewinnen.
Denn der frühere Dominator des
US - Elektrokonzerns General Electric
[ GE ],
war der bekannteste Prediger einer Heilslehre, der in den vergangenen zwei Jahrzehnten Topmanager oder die es glaubten zu sein auf der ganzen Welt gefolgt sind.
„Rauf mit dem Aktienkursen“,
so lautete auf den Chefetagen das „fröhliche“ Motto zum gemeinsamen Geldverbrennen.
Jack Welch
sowie die meisten Konzernchefs in Europa und in den USA haben alles dafür getan, um den Wert ihrer Unternehmen optisch stetig zu steigern.
Reihenweise wurden dafür
sichere Arbeitsplätze, gute Produktqualität, saubere Umwelt
und
Kundenwünsche sowie das Geld der Anleger
willfährig und leichtsinnig geopfert.
Die Jagd nach möglichst hohen Aktienkursen, überhöhten Managergehältern und gigantischen Bonuszahlungen der angestellten Unternehmensführer schien bis zur
US - Finanz- und Wirtschaftskrise kein Ende nehmen zu wollen.
Heute verkündete Jack Welch, der sich bereits 1981 als Erfinder des Monsterwerkes sieht, in einem Interview mit der Financial Times
Zitat:
„Genau genommen ist Shareholder Value die blödeste Idee der Welt“.
Zitat Ende
und bestätigt damit das unsinnige Handeln der Manager, dass der DRSB e.V. seit 1988 ständig gegeißelt hat.
Für die Mehrheit der Wirtschaftswissenschaftler bleibt jedoch der amerikanische Ökonomen Alfred Rappaport der Vater des Gedankens und hat mit seinem 1986 erschienenen Buch
„Creating Shareholder Value“
das fehlgeleitete Denken und Handeln ganzer Manager - Generationen ausgelöst.
Genau genommen könnte man
Alfred Rappaport zum Generalschuldigen
für die US - Finanz- und Wirtschaftskrise ausrufen lassen.
Wer rund um den Globus den Wohlstand vieler Menschen gefährdet und vernichtet hat, sollte zu weiteren wirtschaftlichen Entwicklungen in Demut schweigen.
Nicht so der womöglich Generalschuldige
Alfred Rappaport,
obwohl sich sein zunehmender Pessimismus in seinen aktuellen Anlageempfehlung widerspiegelt.
Der Mann, der als vermeintlich genialer Finanzmarktexperte jahrelang völlig zu Unrecht als Wirtschaftsguru gefeiert wurde, rät allen Ernstes derzeit zum Kauf von inflationsindexierter US - Staatsanleihen.
Vermutlich hat Alfred Rappaport der DRSB - Artikel vom 23. Juli 2009:
Fehlstart?
Zu viele positive Überreaktion nach der US - Finanzkrise?
Wann platzt die nächste Billionen - Dollarblase?,
nicht vollumfänglich verstehen können.
Denn mit seinen neusten Aufforderungen wird er höchstwahrscheinlich das kommende wirtschaftliche Desaster in den USA auslösen können.
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