DRSB
Deutscher Rentenschutzbund e.V.
Redaktionsteam
Leitung:
Udo Johann Piasetzky • Heinrich Sternemann • Hans - Josef Leiting
Düsseldorf, den 17. Juli 2009
Wie viel Macht haben Rentenbezieher?
Nach einer Wahl ist immer vor einer Wahl. Es gilt also den Zeitraum zwischen den Wahlen zu nutzen, damit man in Erfahrung bringen kann, wer und warum welche Partei gewählt hat oder gewählt haben könnte.
Deshalb haben an deutschen Universitäten zurzeit Lehrstühle für die Empirische Sozialforschung, Politikwissenschaften sowie Institute für Gesellschaftsforschung absolute Hochkonjunktur.
Es wird nur so geforscht, was das Zeug hält, denn aus der Sicht der deutschen Parteien erscheint es erstrebenswert zu sein genauestens zu wissen, wohin eine alterndende Gesellschaft politisch, ideologisch und ökonomisch tendiert.
Jahrzehntelang verharrten die Politiker im Irrglauben, dass aktuelle Rentenbezieher eine homogene Wählergruppe sind, die auch quasi gleichgeschaltet reagiert.
Bedauerlicherweise
lässt sich so etwas nicht wissenschaftlich nachweisen.
Denn welche Parteien oder Politiker ein aktueller Rentenbezieher tatsächlich wählt, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, so dass auch das gerne gegebene Versprechen auf eine Rentenerhöhung das Wahlverhalten nicht im Geringsten beeinflussen kann.
Deshalb geht der DRSB e.V. seit 1989 folgenden Fragen nach:
Wählen Rentenbezieher mit Kindern anders?
Wählen Rentenbezieher ohne Kinder eher egoistisch?
Welche Themen beeindrucken Rentenbezieher tatsächlich?
Welcher Politikertyp hätte die größten Chancen gewählt zu werden?
Beeinflusst der soziale Status das Wahlverhalten eindeutig?
Definitiv ist dem DRSB e.V. bekannt, dass aktuelle Rentenbezieher mit Kindern nicht viel anders wählen als Kinderlose.
Es gibt jedoch aus den USA Studienergebnisse die besagen, dass in Regionen, in die sehr viele kinderlose Rentenbezieher zuwandern, die Schulausgaben sinken.
Als Beispiel werden Regionen aus Kalifornien und Florida genannt.
Wo dagegen Rentenbezieher eigene Familienangehörige in der Nähe haben, bleiben die Schulausgaben konstant gleich.
Gemäß diesen amerikanischen Studienergebnissen scheint es so, als könnte eine Solidarität zwischen den Generationen das politische und ökonomische Verhalten beeinflussen.
Bezogen auf Deutschland ist ein solches Verhalten noch nicht nachweisbar, obwohl viele aktuelle Rentenbezieher auch den Langzeit - Nutzen ihrer Kinder mit einbeziehen, wenn sie eine Wahlentscheidung treffen.
Generell betrachtet, wählen aktuelle Rentenbezieher nicht nur ausschließlich aufgrund materieller Gesichtspunkte.
Man wählt nicht einfach mal so eben einen Sozialdemokraten, einen Liberalen oder einen christlichen Politiker nur weil der den aktuellen Rentenbeziehern mal wieder eine höhere Rente verspricht.
So genannte Stammwähler,
zum Beispiel der Christdemokraten, wählen CDU / CSU, weil sie von der Leistung einzelner CDU / CSU - Politiker oder von den Parteien beeindruckt sind oder waren.
So genannte Stammwähler,
zum Beispiel von Bündnis 90 / Die Grünen, wählen diese Gruppierung, weil sie der Umwelt oder dem Tierschutz stark verbunden sind und in der Regel Atomkraft ablehnen und auch in der Zukunft sauberes Wasser haben wollen.
Die tatsächlich erbrachten Leistungen dieser politischen Gruppierung kennen nur wenige Menschen.
So genannte Stammwähler,
zum Beispiel der Sozialdemokraten, wählen noch SPD, weil sie die Hoffnung hegen, dass diese ehemalige Volkspartei noch immer zu nutzbringender Leistung für Arbeitnehmer fähig sein könnte.
So genannte Stammwähler,
zum Beispiel der Freidemokraten, wählen FDP, weil sie die schädlichen kollektiven Folgen der ordo- oder neoliberalen Politik nicht einschätzen können.
Viele gutgläubige FDP - Wähler glauben sogar noch immer, dass die Partei der beste Garant für ein freiheitliches Deutschland sei.
Dagegen wenden sich Wählergruppierungen aus den Reihen der Mittelständler und aus dem Handwerk von den vermeintlich Liberalen ab.
So genannte Stammwähler,
zum Beispiel der neuen Linken, wählen die Neuformation aus Sozialisten, Gewerkschaftlern und ehemaligen Kommunisten, weil sie von den Leistungen einzelner SPD - Politiker oder von der Partei völlig enttäuscht sind oder wurden.
Bekanntlich waren alle aktuellen Rentenbezieher selbst einmal jung und wissen noch sehr genau, welche Interessen sie damals hatten und stellen ihr Wahlverhalten nicht völlig um, nur weil sie in Ruhe gereift sind.
Eine große Anzahl von aktuellen Rentenbeziehern sind bereits so genannte „Großeltern“ und passen häufig auf ihre Enkelkinder auf.
Diese lebhafte Anteilnahme am Leben der jungen Menschen endet nicht am Wahltag an der Wahlurne.
Gleiches gilt für kinderlose aktuelle Rentenbezieher, die ihre Nichten oder Neffen als so genannte „Ersatzkinder“ betrachten und zeitweise in die Rolle von Großeltern schlüpfen.
Seit 1989 warnt der DRSB e.V. die deutschen Parteien vor Fehlwahrnehmungen, die man den Politikern häufig suggeriert.
Denn nicht „mehr“ Rente
ist ein echtes Wahlthema, sondern mehr nachhaltige Lebensqualität.
Wenn also die Wählerstimmen der aktuellen Rentenbezieher mit vermeintlichen Rentenerhöhungen gar nicht zu bekommen sind, handeln die Politiker dann überhaupt noch rational, indem sie den so genannten Riester - Faktor aussetzen?
Mit der
[ Armuts- ] Agenda 2010,
der Riesterrente, den Rürupmodellen sowie mit SPD - Ullas Gesundheitsreform haben sich die Politiker von SPD, Bündnis / Die Grünen sowie der CDU / CSU quasi selbst in das Knie geschossen.
Denn die vorgenannten Politikentscheidungen sind nicht nachhaltig im Sinne von Nutzmehrungen für die deutsche Bevölkerung.
Die Protagonisten der FDP haben zwar dagegen gestimmt, wissen aber bis heute nicht so richtig warum.
Obendrein erliegen die EX - Politiker aus PDS und WASG [ neue Linke ] einer riesigen Fehlwahrnehmung, wenn sie glauben, dass der praktizierte Pseudosozialismus geeignet sei, um damit Wählerstimmen der aktuellen Rentenbezieher auf Dauer einzufangen.
Der frühere Bundespräsident
Roman Herzog
sah zwar in außerplanmäßigen Rentenerhöhungen fiktive Vorboten gefährlicher Entwicklungen in Deutschland.
Roman Herzog
warnte vor ein paar Jahren sogar davor, dass immer mehr aktuelle Rentenbezieher künftig die jüngeren Generationen ausplündern könnten.
Der frühere Bundespräsident malte quasi den Teufel an die Wand und startete den Versuch, vor einem zu großen Einfluss der aktuellen Rentenbezieher zu warnen.
Zitat Roman Herzog Auszug:
„Ich fürchte,
wir sehen gerade die Vorboten einer Rentner - Demokratie.
Die Älteren werden immer mehr,
und alle Parteien nehmen überproportional Rücksicht auf sie.
Das könnte am Ende
in die Richtung gehen, dass die Älteren die Jüngeren ausplündern“.
Zitat Ende.
Roman Herzog
glaubt tatsächlich, dass sich unterschiedliche Generationsgruppen feindlich gegenüber stehen, die man gegeneinander ausspielen könnte.
Doch so leicht lassen sich aktuelle und zukünftige Rentenbezieher nicht austricksen, denn es gibt keine Generationsgruppen, die sich feindlich gegenüber stehen und die man gegeneinander ausspielen könnte.
Genau das Gegenteil ist der Fall.
Durch die ständigen Diskussionen über mögliche Generationskonflikte könnten sich die Politiker gleich doppelt schaden.
1.
Mit solch diffusen Signalen torpediert man
die Nachhaltigkeit und generationale Ausgewogenheit in der Politik.
2.
Die jüngeren Bürger hinterfragen zunehmend,
was mit ihnen wirklich geschehen soll, wenn auch sie älter werden.
Es kann in der Realität also kaum ein Generationenkonflikt entstehen, den es in dieser Form ursprünglich gar nicht gab und lediglich in einigen Politikerköpfen entsprang, die auf der Suche nach mehr Wählerstimmen sind.
Diese womöglich durchaus gefährlichen Populisten fordern auch die Herabsetzung des Wahlalters, um der Dominanz der aktuellen Rentenbezieher entgegenzuwirken.
Mit Pseudoargumenten wird krampfhaft versucht das Wahlalter heruntersetzen, um angeblich eine bessere Partizipation der jüngeren Menschen zu erreichen.
Völlig fehlgeleitete CDU - Abgeordnete fordern ein Stellvertreterwahlrecht für Eltern, das sich nach der Anzahl der Kinder richtet.
Bündnis 90 / Die Grünen
planen sogar das Wahlrecht ab 14 Jahre und stellen gerne
einmal aktuelle Rentenbezieher als so genannte „Raffkes“ dar.
Deutschland ist unbestreitbar auf dem direkten Weg in die Altenrepublik und muss
in der Tat in der Zukunft auf die Belastbarkeit der jüngeren Bürger Rücksicht nehmen.
Auch wenn ein paar hinterlistige Demagogen vor den dramatischen Veränderungen
der Mehrheitsverhältnisse warnen, so ist ein solch mögliches Szenario keine gravierende gesellschaftliche Veränderung, die eine Gefahr für die deutsche Demokratie darstellen könnte.
Wenn womöglich in Zukunft aktuelle Rentenbezieher in der Mehrheit sein sollten haben wir in Deutschland noch lange kein Demokratieproblem, sondern reale demokratische Verhältnisse, die die Bevölkerungsstruktur widerspiegeln.
Ist so etwas dann eine
Rentner - Demokratie?
Wenn loyale erfahrene Bürger wieder für mehr kollektive Leistungen sorgen und für den Erhalt der sozialen Marktwirtschaft eintreten, nennt man so etwas
Rentner - Demokratie?
Rein numerisch besteht schon heute die Möglichkeit, dass die aktuellen Rentenbezieher die Mehrheit in deutschen Parlamenten übernehmen könnten.
Eine anhaltende Übervorteilung von jüngeren Bürgern daraus abzuleiten, zeigt vermutlich die wahren Absichten der Demagogen, die mit tatsächlichen demokratischen Mehrheitsverhältnissen nicht demokratisch umgehen wollen.
DRSB
Wir kämpfen seit 21 Jahren mit der Stimme der Demokratie
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