DRSB
Deutscher Rentenschutzbund e.V.
Redaktionsteam
Leitung:
Udo Johann Piasetzky • Heinrich Sternemann • Hans - Josef Leiting
Düsseldorf, den 05. Oktober 2009
Wie weit ist vorbei?
Bedeutet Erfahrung immer schlechte Erfahrung?
Täglich ertrinken die Bürger in unserer Heimat in einem Meer von Informationen, aber dürsten nach wirklichem Wissen.
Warum ist kein Vermögen bei Arcandor?
Was passiert tatsächlich jeden Tag in unserem Land?
Wieso hängt auch Thyssen - Krupp plötzlich in der Krisenfalle?
Sind das die Folgen der Managerfehler?
Oder tragen die Politiker die Schuld?
Die Folgen der US - Finanz- und Wirtschaftskrise treffen nun schon seit mehreren Wochen mit voller Wucht Deutschlands größte Industriekonzerne, die auf die weltweite Auftragsflaute mit dem stärksten Stellenabbau seit rund sieben Jahren reagieren werden.
Bereits Ende Juni 2009 beschäftigten die Industriekonzerne
154.000 Mitarbeiter
weniger, als noch im Juni 2008. Das waren statistisch gesehen zwar nur 3% minus, gerechnet auf gesamt 5.1 Millionen Mitarbeiter, aber trotzdem der stärkste Stellenabbau seit dem schwarzen Dezember im Jahr 2002.
Die meisten Langzeitarbeitsplätze gingen in der Automobilindustrie sowie in der Kunststoff- und Gummiindustrie verloren.
Die Konzerne reagieren auf die US - Finanz- und Wirtschaftskrise, indem sie die Kosten deutlich absenken und Investitionen zurücknehmen wollen.
Im Klartext heißt so etwas immer rigoroser
Stellenabbau.
Denn über den Wahltermin im September 2009 rettete man sich mit der so genannten Kurzarbeit, weil man vermeiden wollte, dass das wirtschaftliche Versagen der Politiker frühzeitig offengelegt wurde.
Jetzt schleicht die Angst erneut in die Köpfe der betroffenen Mitarbeiter:
„Alles, nur nicht Hartz IV“.
Da klingen die Medienberichte wie blanker Hohn in den Ohren der Bürger, wenn in den USA schon wieder die Rede von
„BESSERUNGEN“
ist und gleichzeitig die Spitzenverdiener aus den Manageretagen ihre Bezüge im Jahr 2008 veröffentlichen.
Das
Manager - Magazin
veröffentlichte bereits im August 2009 die Liste der Topverdiener in den USA.
Gemäß dem Manager - Magazin steht einsam und allein an der Spitze der Boss des so genannten Finanzinvestors Blackstone mit sagenhaften
702,4 Millionen US - Dollar
[ rund 492 Millionen Euro ].
Da wissen viele Kleinanleger, wo ihr Geld abgeblieben ist, das sie gutgläubig und sicher bei Fondsgesellschaften für ihre Altersvorsorge anlegen wollten.
Der Finanzinvestor Blackstone ist weltweit an vielen Unternehmen beteiligt und in Deutschland zum Beispiel an der Deutschen Telekom.
Wie die so genannten Heuschrecken systematisch mit großem Erfolg Firmen aussaugen können, zeigen sie regelmäßig nicht nur in Deutschland.
Am Ende steht immer der Verlust von Langzeitarbeitsplätzen oder die Umwandlung von sicher geglaubten Arbeitsplätzen in die sklavische Leiharbeit.
Hinzu kommt, dass in Kürze die Industriemanager sowie die Medien den Wegfall der Abwrackprämie für die anstehenden Entlassungen verantwortlich machen wollen.
Getreu dem Motto:
Keine staatlichen Subventionen - Keine sicheren Arbeitsplätze.
Nicht nur der Vorstandsvorsitzende von Daimler [ Mercedes ] - Dieter Zetsche - „denkt“ über die Verlegung von 2000 bis 4000 sicher geglaubten deutschen Arbeitsplätzen in die USA nach.
Quasi nach dem Zetsche - Motto:
„Mercedes made in den USA reicht auch für Europa völlig aus“.
Dieter Zetsche
sollte einmal die frustrierten M - Klasse - Fahrer befragen, deren Fahrzeuge in den USA gebaut wurden, was sie von amerikanischer Qualität wirklich halten.
Derweil freut man sich an den regelmäßigen monatlichen Zahlungen, die im Jahr 2009 möglicherweise ein klein wenig geringer Ausfallen könnten, als noch im Jahr 2008.
Rezession hin - Rezession her die Top Ten der so genannten Dax - Manager erhielten 2008 noch fürstliche Entlohnungen:
|
Manager |
Unternehmen |
Bezüge |
|
Jürgen Großmann |
RWE |
9,03 Millionen Euro |
|
Peter Löscher |
Siemens |
8,54 Millionen Euro |
|
Wolfgang Reitzle |
Linde |
8,01 Millionen Euro |
|
Martin Winterkorn |
VW / Porsche |
6,14 Millionen Euro |
|
Wulf Bernotat |
Eon |
5,03 Millionen Euro |
|
Dieter Zetsche |
Daimler |
4,82 Millionen Euro |
|
Jürgen Hambrecht |
BASF |
4,29 Millionen Euro |
|
Henning Kagermann |
SAP |
4,01 Millionen Euro |
|
Hakan Samuelson |
MAN |
3,87 Millionen Euro |
|
Karl - Ludwig Kley |
Merck |
3,86 Millionen Euro. |
Für die meisten Deutschen sind die vorgenannten Jahresverdienste
6 Richtige im Lotto mit Jackpot.
Aus der Sicht von
Stephen Schwarzmann
[ Boss des Finanzinvestors Blackstone ]
sind die deutschen Top - Verdiener der Dax - Unternehmen womöglich nur bedauernswerte Hungerleider.
Wie weit ist also vorbei an der Realität,
wenn es darum geht, wie vernünftige Vergütungssysteme für Manager von deutschen Firmen aussehen sollen?
Bereits 1990 forderte der DRSB e.V. die Deckelung von Vergütungssystemen für angestellte Topmanager sowie den Wegfall von Bonifikationsmodellen, die die Akteure lediglich zum kurzfristigen renditeerwirtschaften anstacheln, die langfristig keinerlei Nachhaltigkeit zeigen.
Zukünftig sollten deshalb Jahresvergütungen von Topmanagern am langfristigen Erfolg eines Unternehmens bemessen werden.
Trotzdem gehören die deutschen Top - Verdiener der Dax - Unternehmen zu den Gewinnern in unserer Heimat, denn wer das Jahr 2008 vom Einkommen so erleben durfte wie sie, der erlebt sogar einen Winter 2009, der wärmt.
Erfahrung bedeutet also nicht immer schlechte Erfahrung.
Bei den Einkommensschwachen haben allerdings die Entscheidungen der Topverdiener
gänzlich andere Auswirkungen, denn hier herrscht die Angst vor:
„Alles, nur nicht Hartz IV“.
DRSB
Wir kämpfen seit 21 Jahren mit der Stimme der Demokratie
für
einen modernen Sozialstaat,
sichere, langfristige Arbeitsplätze,
sinnvolle, gerechte und lernfähige Rentensysteme,
sichere, gerechte und leistungsfähige Sozialsysteme,
und für
korruptionsfreie Demokratie in Deutschland und der EU.