DRSB
Deutscher Rentenschutzbund e.V.
Redaktionsteam
Leitung:
Udo Johann Piasetzky • Andreas Kallen • Hans - Josef Leiting
Düsseldorf, den 24. Mai 2008
Amerikanische Politiker lieben es, Vergleiche der USA mit dem
Römischen Reich
der Antike zu ziehen.
Dabei verkennen sie offensichtlich, dass der Untergang des Römischen Reiches das wohl am meisten diskutierte Thema der Altertumswissenschaftler ist.
Im Kern geht es hauptsächlich um die Gründe für den Fall des so bezeichneten
West - Römischen Reiches.
Höchst unterschiedliche Theorien wurden entworfen, wobei immer berücksichtigt werden muss, dass das so genannte Ost - Rom den Zusammenbruch des weströmischen Kaisertums mehrere hundert Jahre überdauerte.
Für eingefleischte Historiker endete am 28. August 476 die Geschichte des Römischen Weltreichs, denn an diesem Tag setzte der germanische
König Odoaker
den jungen römischen Kaiser Romulus Augustus ab.
Doch viele Historiker bezweifeln, möglicherweise zu Recht, dass dies der einzige Grund und die Ursache waren.
Das unrühmliche Ende Roms,
wann und wodurch begann der Niedergang?
Und:
Gibt es Parallelen zu den USA?
Es erscheint zunächst faktisch unmöglich, eine eindeutige Antwort zu formulieren, warum das weströmische Reich tatsächlich unterging.
Dem immer stärker werdenden Christentum oder der wachsenden Dekadenz der römischen Machthaber die alleinige Schuld zuzuweisen, wäre nicht nur oberflächlich sondern womöglich auch falsch.
Bekannter Maßen erwies sich das Christentum im Ost - Römischen Reich als einigendes Element der Macht.
Der recht schnelle Niedergang des West - Römischen Reiches ist sicherlich darauf zurückzuführen, dass gewisse systemimmanente Mängel in der Verwaltung und der Armee den Auflösungsprozess der Wertestrukturen in der römischen Gesellschaft beschleunigten.
Hinzu kamen gravierende charakterliche Mängel der politisch und militärisch verantwortlichen Führer sowie der latente Hang der Mächtigen, ihr Volk systematisch auszubeuten.
West - Rom war einfach von innen nicht mehr stark genug.
Das West - Römische Reich wurde von der Wucht der spätantiken
Völkerwanderung 375 - 568
mit ganzer Härte getroffen und konnte nur noch wenige kampfwillige militärische Einheiten zum Einsatz bringen.
So gelang es den weströmischen Politikern zunehmend seltener, auf das zum Teil noch immer gewaltige Privatvermögen reicher Senatoren - Familien zuzugreifen und genügend römische Bürger zum Militärdienst anzuwerben.
Fatalerweise empfand man die so genannten Barbaren gar nicht als bedrohliche Eindringlinge, sondern vermischte sich mehr und mehr mit ihnen.
Durch die schleichende Entwicklung der Dekadenz und die ständige Ausbeutung der Bürger verfügte West - Rom auch nicht mehr über die Bevölkerungszahlen und die hohe Wirtschaftskraft des Ost - Römischen Reiches.
Jede Post - Betrachtungsweise wird aber niemals den vielschichtigen Problemen der Weströmer gerecht werden können.
Höchstwahrscheinlich durchschauten die Bürger Roms die Vorgänge in der politischen Führung, konnten oder wollten aber keinerlei geeignete Gegenmaßnahmen ergreifen.
Die Geschichtsschreibung erwähnt an keiner Stelle organisierte Protestaktionen gegen die Ausbeutung und Dekadenz durch die mächtigen Familienclans.
Der römische Urgedanke von
Demokratie und freien Bürgern sowie einem leistungsfähigen Bürgertum
als Rückgrat der Gesellschaft, lebte noch bis 1453 kulturell im Ost - Römischen Reich fort.
Für seriöse Geschichtsforscher sind das totale
Versagen der moralischen Instanzen,
aber auch der äußere Druck durch die Germanen Schuld am Fall von Rom.
Die Spätantike wird in diesem Sinne von amerikanischen Politikern oft als Spiegelbild der eigenen Gesellschaft gedeutet.
Dabei übersehen unsere
„amerikanischen Freunde“,
vorsätzlich oder auch unwissend, dass das
Römische Reich
das heutige Europa entscheidend formte und förderte.
Rom aktivierte die dynamischen Kräfte in den besiegten Völkern und kultivierte die Gesellschaftsstrukturen im Sinne eines freien und selbständigen Bürgertums.
Die eingebildete Weltmacht,
wie das kritische deutsche Politmagazin
Spiegel
titelte, hingegen versucht mit aller Konsequenz und mit massivem militärischem Druck selbst befreundete Staaten auszubeuten und zu unterdrücken.
Völlig zu Recht stellten die mutigen Journalisten des Spiegels die Frage:
„Übernimmt sich Amerika“?
Nach dem Überfall auf den Irak ist vielen Bürgern, insbesondere im so genannten
„Alten Europa“,
schlagartig klar geworden, dass so etwas auch den Europäern drohen kann.
Seit dem militärischen Alleingang von George Walker Bush mehren sich die Stimmen, die das wankende US - Imperium in Gefahr sehen.
Der französische Historiker
Emmanuel Todd
verfasste bereits einen Nachruf auf die USA:
„Die Welt braucht Amerika nicht mehr“,
lautet die These des hell und kritisch denkenden Franzosen.
Leistungsfähige Europäer
benötigen die USA weder als Schutzmacht noch als Big Spender.
Es ist geradezu völlig umgekehrt.
Die USA merken zunehmend, dass sie das
„Alte Europa“
mehr brauchen, als die Europäer die USA.
Die rasant wachsende wirtschaftliche Schwäche der USA sowie ein riesiges Defizit im Außenhandel und die verschwindend geringe Produktivität der Amerikaner sind nicht mehr allein mit der militärischen Stärke zu überdecken.
Die altbackene, verschimmelte, klassische Strategie der USA, mit Kriegen von innenpolitischen und wirtschaftlichen Problemen ablenken, scheint den Untergang des amerikanischen Reiches erheblich zu beschleunigen.
Der Irak - Krieg ist nach der Meinung von Emmanuel Todd der letzte Versuch,
„im Zentrum der Weltordnung zu bleiben“.
Zitat Todd:
„Doch das Böse mit Bomben bekämpfen, die Demokratie durchdrücken - dieses hegemoniale Gehabe lässt sich in einer Welt nicht mehr aufrechterhalten, die dabei ist, sich neu zu organisieren.
Und zwar an den USA vorbei.
Die Weltgemeinschaft ist auf Demokratisierungskurs - und selbst der Terror ist nur ein vorläufiges Phänomen.
Denn anhaltender Geburtenrückgang und fortschreitende Alphabetisierung der arabischen Bevölkerung führten zwangsläufig zu demokratischeren Systemen - ganz so, wie es die europäische Geschichte lehrt.
Revolutionen und blutige Auseinandersetzungen waren allerdings auch hier eine notwendiger Teil des Wandels“.
Zitat Ende.
Die sehr streitbare und spannende Analyse des französischen Historikers und Demografen
Emmanuel Todd
sieht das Imperium der USA kurz vor dem Kollaps und damit als eine große Gefahr für Europa und den Rest der Welt.
Die Meinung von Todd ist besonders bemerkenswert, da der Franzose noch vor einigen Jahren noch ein glühender Apologet alles Pro - Amerikanischen war und sich heutzutage als kompromissloser Verfechter eines starken Europa engagiert.
In seinem im Jahr 1977 auf Deutsch erschienenen Buch
„Vor dem Sturz“
prophezeite Todd das Ende der Sowjetherrschaft und behielt damit Recht.
Inwieweit
Emmanuel Todd
mit dem Untergang des amerikanischen Reiches Recht behält, dürften der Verlauf des
Irak - Kriegs und vor allem die nächsten 2 Jahre danach vermutlich bald zeigen.
Der Niedergang der römischen Gesellschaft und der Zusammenbruch Roms hatten damals für Europa fatale Folgen:
Der Handel brach zusammen, und die Geldwirtschaft verschwand.
200 Jahre herrschte wieder der Tauschhandel vor.
Technische Fähigkeiten gingen weitgehend verloren.
Vergleiche zu unserer heutigen Zeit drängen sich dabei durchaus auf. Erfahrene Wirtschaftsexperten sehen bei einem zu erwartenden Niedergang der amerikanischen Hegemonie jedoch ein vollkommen anderes Szenario für Europa und den Rest der Welt.
Der Handel blüht auf und die Geldwirtschaft wird wieder stabil.
Technische Fähigkeiten
und Produktionsanlagen bleiben in Europa erhalten.
Asiatische Staaten ersetzen auf den Weltmärkten die USA.
Der Wohlstand für die Bürger wächst
und die Bürgerrechte erlangen ihre ursprüngliche Geltung wieder.
Ein weiteres Argument für den Niedergang Roms gilt vielen Historikern die riesige Kluft zwischen
Arm und Reich
und lässt auch hier direkte Vergleiche mit den USA zu.
Nur mit
„Brot und Spielen“ oder dem massivem Einsatz von „Dumm - TV“
wird die amerikanische Gesellschaftsform auch in Deutschland nachhaltig scheitern.
Glänzende Karrieren, quasi vom
„Tellerwäscher zum Millionär“,
machen immer weniger amerikanische und europäische Bürger.
Die von vielen US - Politikern an den Haaren herbeigezogenen Vergleiche, dass die römischen Sklaven und Gladiatoren durchaus zu Ruhm und Reichtum gelangen konnten, zeigen deutlich die Hilflosigkeit der Mächtigen in den USA auf.
1453 fiel mit Konstantinopel die letzte „römische Bastion“.
Mit dem Beginn des dritten Jahrtausends veränderten sich die politischen Verhältnisse in Europa und Asien.
Historiker wie zum Beispiel Emmanuel Todd fragen deshalb immer häufiger:
„Wann fällt Washington“?
Das langsame Sterben der Weltmacht USA bestätigt den wiederkehrenden Zyklus vom
Aufstieg und Fall großer Reiche.
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