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DRSB

Deutscher Rentenschutzbund e.V.

Redaktionsteam

Leitung:

Udo Johann Piasetzky Heinrich Sternemann Hans - Josef Leiting

Düsseldorf, den 20. Juli 2009

 

 

Die Nachwehen der US - Kriege 
- Teil 58 -

Freedom Summer

Im so genannten Freedom Summer aus dem Jahr 1964 verkündeten die Protagonisten der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung ihre Visionen von einer

Nation ohne jegliche Rassenschranken.

Ihr Leben lang hatten diese aufrechten schwarzen Amerikaner für den Traum von

Brüderlichkeit, Gleichheit und Freiheit

geträumt, gekämpft und oftmals sehr gelitten. Nun sollte der Freedom Summer alles ändern.

Alles ändern?

Was hat sich in der Rassenfrage tatsächlich in den USA bewegt?

Reicht ein farbiger US - Präsident aus, das Bild vom

GRAND OLD SOUTH

in den Köpfen der weißen Amerikaner nachhaltig zu löschen?

Die drei US - Rechercheteams des DRSB e.V. sind diesen Fragen einmal gezielt nachgegangen und konnten erstaunliches ans Tageslicht befördern.

Als im Jahr 2000 in der Stadt Selma im US - Staat Alabama der schwarze Amerikaner

James Perkins

zum Bürgermeister gewählt wurde, feierten ihn seine Anhänger frenetisch auf der geschichtlich belasteten

Edmund - Pettus - Brücke,

denn dieser Ort gilt noch immer vielen schwarzen Amerikanern als „DAS“ Symbol des Kampfes für die

Civil Rights.

Was aber, fragen sich viele

weiße Amerikaner noch heute, soll so außergewöhnlich an dieser Brücke in Selma sein?

Die Edmund - Pettus - Brücke spannt sich in Selma schon seit Jahrzehnten über den Alabama River.

Der frisch gebackene schwarze Rechtsanwalt

J. L. Chestnut

soll, gemäß den Geschichtserzählern, in einer warmen Juninacht im Jahr 1958 über diese Brücke in seine Stadt zurück gekehrt sein.

Der erfolgreiche Jurastudent war fest entschlossen, sich in seiner Heimatstadt als erster schwarzer Rechtsanwalt niederzulassen. Eine sehr mutige Entscheidung, denn damals hatten schwarze Amerikaner keinerlei Zutritt in „weiße“ Restaurants oder zu anderen rein „weißen“ Einrichtungen.

Schwarze Bürger durften sogar nicht einmal aus Wasserhähnen trinken, die von weißen Bürgern benutzt wurden.

Eigentlich wurden schwarze Bürger wo immer es möglich war diskriminiert, schikaniert und abwertend behandelt. Schwarze Bürger bekamen zum Beispiel in Metzgereien meistens nur das minderwertige Fleisch zum Kauf angeboten und mussten dieses auch noch überteuert bezahlen.

Die Stadt Selma war damals quasi ein Paradebeispiel für Rassenhass.

Alle wichtigen öffentlichen Ämter wurden ausschließlich von weißen Bürgern bekleidet.

Ob nun

Sheriff, Bürgermeister, Richter oder sonstige Beamte,

sie alle waren Weiße und sorgten in ihrer Stadt für

„Recht“, „Ordnung „ und „Sauberkeit“.

Nahezu in regelmäßigen Abständen wurden schwarze Bürger gelyncht, wenn sie nicht schnell genug den weißen Bürgern auf den Gehwegen Platz machten.

Anzeigen wegen Körperverletzung waren eine Seltenheit, denn die weißen Mitarbeiter im Sheriffbüro fanden niemals einen weißen Lynchtäter.

Anders verhielt es sich, wenn schwarze Bürger auch nur kleinste Straftaten begingen. Der rassistische weiße Bezirksrichter

James Hare

pflegte das fragwürdige zynische Hobby, schwarze Mitbürger anhand der Größe ihrer Lippen afrikanischen Stämmen zu zuordnen.

Laut Richter Hare waren die meisten schwarzen Mitbürger vom Stamm der kriegerischen Ibos, von geringer Intelligenz und nicht mehr domestizierbar. Für Richter Hare war es auch völlig normal, dass schwarze Amerikaner nur die Hälfte des Lohns der Weißen bekamen. Am allerliebsten hätte er Schwarze ausschließlich zur Feldarbeit eingeteilt und sie wie Pferde vor die Pflüge gespannt, obwohl bereits am 18. Dezember 1865 die Sklaverei in den USA „offiziell“ abgeschafft wurde.

Aber vermutlich störte den Richter James Hare die Niederlage der Südstaaten im Sezessionskrieg nicht weiter, so dass er sich viel lieber an die rassenfeindlichen

Jim - Crow - Gesetze

anlehnte, die eine Rassentrennung im öffentlichen Leben verlangten und sogar gemischtrassige Ehen verbaten.

Auch dass der Oberste Gerichtshof der USA am 17. Mai 1954 die Rassentrennung an Schulen für verfassungswidrig erklärte, ignorierte der Bezirksrichter aus Selma / Alabama und strafte diese Anordnung mit seiner Nichtbeachtung.

Typen wie Richter Hare brachten mit ihren rassistischen Aktionen das Fass zum überlaufen, so dass sich Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, die schwarzen Bürger von Selma gegen die anhaltenden Diskriminierungen auflehnten.

Aufgrund einiger Versammlungen verbot Bezirksrichter James Hare im gesamten Bezirk von Selma politische Zusammenkünfte von mehr als drei schwarzen Bürgern.

Der weiße Amerikaner Hare hatte eben seine ganz besonderen Vorstellungen von demokratischen Verhältnissen in seinem Land.

Am 28. August 1963 verkündete der schwarze Pastor

Martin Luther King

Zitat:

„Es wird weder Ruhe noch Frieden in Amerika geben,

ehe dem Neger nicht die vollen Bürgerechte zugebilligt werden“.

Zitat Ende.

Mehr als 200 000 Amerikaner sollen King auf seinem Marsch auf Washington zugejubelt haben, denn 100 Jahre nach dem offiziellen Ende der Sklaverei in den USA vegetierten schwarze Amerikaner noch immer an den Rändern der Gesellschaft dahin.

Man könnte sogar behaupten, dass sich damals die schwarzen Amerikaner im Exil im eigenen Land befanden.

Der mutige schwarze Pastor

Martin Luther King

kämpfte gegen die widerliche Lebenslüge der weißen US - Gesellschaft, dass die

Bill of Rights,

das Versprechen von Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit, für alle Amerikaner gelte.

In der berühmten Rede in Washington sagte King

Zitat Auszug:

Ich habe einen Traum, den Traum, dass diese Nation

sich eines Tages erheben wird und gemäß der wahren Bedeutung ihres Credos leben wird“.

Zitat Ende.

In den Südstaaten lebten die weißen Amerikaner nach der Kingrede weiter ihren eigenen Traum von weißer Allmacht und vergangener kolonialer Pracht.

Nicht so in Selma:

Denn dort versammelten sich am 07. März 1965 geschätzte 700 bis 800 schwarze Demonstranten auf der Edmund - Pettus - Brücke und schirmten den Rechtanwalt

J.L. Chestnut

ab, der auf der anderen Seite des Alabama Rivers von einer Telefonzelle aus, seinen Freunden in New York die Geschehnisse in Selma berichtete.

Der Fernsehkanal ABC unterbrach sein Programm und zeigte Livebilder von den Vorgängen auf der Edmund - Pettus - Brücke.

Diese Fernsehbilder

zeigten einen kriegsähnlichen Zustand in Selma.

Ein großes Aufgebot von angeheuerten Hilfssheriffs und Nationalgardisten feuerten Tränengasgranaten in die Menge und prügelten Kinder und Frauen bewusstlos.

Mehr als 50 amerikanische Bürger wurden schwer verletzt.

Der 07. März 1965 gilt noch heute als

Blutiger Sonntag

und war damals für viele schwarze Bürger das Fanal zum Durchbruch für die Bürgerrechtsbewegung in den USA.

Die weißen Amerikaner befürchteten jedoch weitere heftige Unruhen im Land, so dass der damalige US - Präsident Lyndon B. Johnson schnell dazu gedrängt werden musste, die von der schwarzen Bevölkerung geforderte Wahlrechtsreform zu verkünden.

In seiner Rede am 15. März 1965 [ nur 8 Tage nach dem Selma - Desaster ] sagte

Lyndon B. Johnson

Zitat Auszug:

„We shall overcome“.

[ Wir werden die Spaltung überwinden ].

Zitat Ende.

44 Jahre

nach der Rassenschlacht auf der Edmund - Pettus - Brücke müssen sich noch immer schwarze Amerikaner gegen rassistische Übergriffe von der Polizei zur Wehr setzen.

Trotz eines schwarzen US - Präsidenten kehrt eine neue Form der Rassentrennung an  viele amerikanische Schulen zurück. Schwarze und weiße Amerikaner belauern sich misstrauisch mit Argwohn und warten nur darauf, den jeweils anderen eins auszuwischen.  

44 Jahre

nach der Rassenschlacht auf der Edmund - Pettus - Brücke ist in den „alten“ Sklavenstaaten nichts mehr von dem Glauben an ein besseres Amerika zu spüren.

Die Hoffnung vom Aufbruch in eine gleichberechtigte und brüderliche Zukunft löst sich mit hoher Geschwindigkeit auf.  

44 Jahre

nach der Rassenschlacht auf der Edmund - Pettus - Brücke hat der Ku Klux Klan, die selbst ernannten Ritter vom keltischen Blut, erneut regen Zulauf.

Nach der Meinung des FBI gibt es lediglich rund 7000 Kapuzenmänner, die in drei unterschiedlichen Organisationen ihrem Rassismus frönen.

Nach der Auslegung der Heiligen Schrift der Kapuzenmänner soll diese die Trennung der Rassen ausdrücklich verlangen.

In den Nordstaaten outen sich die Anhänger des Ku Klux Klan selten. Aber gerade hier soll der Zulauf weit aus größer sein als in den Südstaaten. Die Ritter des keltischen Blutes sprechen sogar ganz offen vom so genannten „Obama - Effekt“.

44 Jahre

nach der Rassenschlacht auf der Edmund - Pettus - Brücke kritisieren immer häufiger  weiße Bürger schwarze Bürgermeister

Zitat:

„Sehen sie sich doch unsere Stadt an, seit dem

die Nigger sie übernommen haben, geht es rapide bergab“.

Zitat Ende.

Die Rassenfrage prägt auch heute noch den Alltag in sehr vielen amerikanischen Ortschaften und Städten.

Man lebt quasi „gemeinsam“ in „getrennten"  Welten „innerhalb“ einer Nation.

Jahrhunderte der Sklaverei beseitigt nicht eine schwarze Außenministerin Rice oder ein schwarzer Präsident Obama.

Jahrhunderte der Sklaverei lassen sich nicht so einfach wie Müll beseitigen, denn zunehmend immer mehr weiße Amerikaner glauben fest daran, dass ein Weißer sich anstrengen muss, arm zu werden, dagegen soll es für Schwarze der normale Lebensstil sein, in die Armut abzurutschen. Solche und vergleichbar noch härtere Aussagen kann jeder Bürger bequem in den amerikanischen Lokalsendern selbst verfolgen.

44 Jahre

nach der Rassenschlacht auf der Edmund - Pettus - Brücke werden schwarze Schüler bespuckt, drangsaliert oder geschlagen, so dass sich viele schwarze Eltern wieder rein schwarze Schulen mit schwarzen Lehrern wünschen.

Die US - Finanzkrise sowie der damit verbundene wirtschaftliche Niedergang fördert das Entstehen von Parallel - Universen, in denen schwarze und weiße Amerikaner aneinander vorbei leben und einander schon nicht mehr wahrnehmen.

Die US - Finanzkrise sowie der damit verbundene wirtschaftliche Niedergang verschärft täglich das Elend der schwarzen Unterklasse.

Selbst der Bürgerrechtler

J. L. Chestnut

aus Selma / Alabama sagte resignierend in einem Interview

Zitat Auszug:

„Wir haben Jahrhunderte

umsonst geschuftet und sage also keiner, wir seien faul.

Bis heute haben wir keinen Cent dafür erhalten“.

Zitat Ende.

Man wird es im „alten“ Europa kaum wahrhaben wollen, doch in vielen gesellschaftlichen Bereichen sind schwarze Amerikaner höchstens erwünscht, wenn sie weiße Handschuhe tragen und „Weiße“ bedienen dürfen.

Genau genommen wurden die Ziele der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung zu keiner Zeit erreicht. Zu dieser Erkenntnis kommt sogar eine Studie der Harvard Universität in Boston.

Offiziell wurde die Sklaverei in den USA abgeschafft, doch in immer mehr weißen Köpfen wächst die verblendete Vorstellung vom

GRAND OLD SOUTH

und lässt die freiheitliche Idee, die Begeisterung und die Hoffnung vom

Freedom Summer

zu einer Farce verkommen.

Das ist das wahre Amerika heute.

  

             

 

 

DRSB

 

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Stand: 20.07.09

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