DRSB
Deutscher Rentenschutzbund e.V.
Vision Europa gestorben?
Gibt es eine Strategie der Erneuerung?
von
Udo Johann Piasetzky
Vorstandsvorsitzender des DRSB e.V.
und
Rechtsanwalt Christian Hindahl
Vorsitzender der Ethikkommission des DRSB e.V.
und
Rechtsanwalt Heinrich Sternemann
Vorsitzender der Antikorruptionskommission des DRSB e.V.
Meerbusch, den 07. November 2006
In einer echten
Demokratie ist das Volk der Souverän.
Vor 57 Jahren, am
23. Mai 1949
wurde das deutsche Grundgesetz unterzeichnet.
Unseren Urvätern war damals vollkommen klar, dass Arbeit nicht nur die wirtschaftliche Lebensgrundlage der Familien ist, die erhalten bleiben muss, sondern dass die Arbeit auch eine wichtige Grundlage für das Selbstbewusstsein und Selbstverständnis der Bürger ist.
Es ist und bleibt Aufgabe der Politik, hier zu helfen.
In einer Zeit der Globalisierung der Politik wie auch der Probleme lassen sich Interessen eines Landes, die Sicherheit und der Wohlstand seiner Bürger immer weniger von den gemeinsamen Interessen aller Länder trennen.
Die Wirtschaft denkt und handelt schon seit Jahren nicht mehr in nationalen, sondern in globalen Kategorien. Bedingt dadurch ist Deutschland auch zum Exportweltmeister geworden.
Leider machen zum Beispiel Umweltprobleme vor nationalen Grenzen nicht halt. In einer vernetzten Welt sind die Probleme der Nachbarstaaten auch unsere Probleme, sind Nachbarinteressen auch unsere Interessen.
Auf die Globalisierung der Probleme müssen wir deshalb mit der Globalisierung der Lösungsansätze antworten.
Armut, Verelendung, grenzüberschreitende Kriminalität, Drogenhandel führen schnell zum Zerfall staatlicher Ordnung.
Die Risiken des neuen Jahrtausends sind nur mit vereinten Anstrengungen zu bewältigen.
Hierzu gehören
Visionen
und ein
Dialog der echten Demokratie.
Demokratie ist nicht nur ein staatsrechtlicher Begriff, sie ist auch eine Geisteshaltung.
Im Zuge der französischen Julirevolution von 1830 bildete sich auch außerhalb von Frankreich > in der Pfalz < eine größere Bewegung, die mit ihren ursprünglich aus der Französischen Revolution stammenden Ideen von nationaler Einheit und Demokratie in Opposition zu den tatsächlichen Machtverhältnissen stand.
Das
Hambacher Fest
stellte einen Höhepunkt dieser Bewegung dar.
Das Hambacher Fest fand am
27. Mai 1832
in der Pfalz auf dem Hambacher Schloss bei Neustadt an der Weinstraße statt.
Drei Tage und Nächte diskutierten bereits damals
20000 bis 30000 Bürger
und erhoben Forderungen, die nach wie vor Maßstab nationaler wie europäischer Politik sind.
In der heutigen Diktion sind dies:
Die nationale Einheit,
die Souveränität,
die Freiheit der Presse,
die Gleichberechtigung von Mann und Frau,
der freie Handel ohne Zollschranken,
das Selbstbestimmungsrecht der Völker
und ein
freies, vereinigtes Europa.
Wohlgemerkt,
diese Forderungen wurden durch engagierte Bürger bereits 1832 gestellt.
Klingt heute noch modern und logisch, ist aber schon
174 Jahre
her.
Die
Hambacher Thesen
hatten die Wurzeln in der Unzufriedenheit der pfälzischen Bevölkerung mit der bayerischen Verwaltung und gelten als Höhepunkt frühliberaler bürgerlicher Opposition.
Auf dem Hambacher Fest wurden von Johann Philipp Abresch die Farben
Schwarz Rot Gold,
die später zu den deutschen Nationalfarben wurden, verwendet.
Der Publizist
Philipp Jakob Siebenpfeiffer
schloss seine Eröffnungsrede mit den folgenden Worten:
„Es lebe das freie, das einige Deutschland!
Hoch leben die Polen, der Deutschen Verbündete!
Hoch leben die Franken
( damals „moderne“ Eindeutschung für „Franzosen“),
die Deutschen Brüder, die unsere Nationalität und unsere Selbständigkeit achten!
Hoch lebe jedes Volk, das seine Ketten bricht und mit uns den Bund der Freiheit schwört!
Vaterland - Volkshoheit - Völkerbund hoch“!
Am 28. Mai 1832, dem zweiten Tag des Hambacher Festes, trafen sich im
Neustadter Schießhaus
führende deutsche Demokraten und Liberale, um über das weitere Vorgehen zu beraten.
Während die Journalisten
Wirth und Siebenpfeiffer
den weiteren Aufbau von Oppositionsstrukturen vorschlugen, plädierten die anwesenden Burschenschafter für die sofortige Bildung einer provisorischen Regierung und den Beginn des bewaffneten Aufstands.
Vor allem der angesehene pfälzische Abgeordnete Friedrich Schüler verhinderte den Bruch zwischen den beiden Gruppen und forderte weitere Vorbereitungen zum Aufstand.
Diese Untätigkeit kritisierte später Heinrich Heine:
„ ...während den Tagen des Hambacher Festes hätte mit einiger Aussicht guten Erfolges die allgemeine Umwälzung in Deutschland versucht werden können.
Jene Hambacher Tage waren der letzte Termin, den die Göttin der Freiheit uns gewährte...“
Der schlecht vorbereitete Versuch einiger Burschenschafter, durch den Frankfurter Wachensturm von der Hambacher Bewegung zur bewaffneten Revolution überzugehen, scheiterte 1833 kläglich.
In der Folge des Festes und vermehrt nach dem Frankfurter Attentat reagierte der Deutsche Bund in den Jahren 1832 bis 1834 mit Repressionsmaßnahmen.
Demokraten und Liberale
wurden verhaftet und die Versammlungs- und Pressefreiheit noch weiter eingeschränkt.
Mit diesen reaktionären Beschlüssen wurde die republikanische Bewegung vorerst wieder zum Erliegen gebracht.
Die liberalen und demokratischen Ideen des Hambacher Fests gingen bei der deutschen Reichsgründung unter.
Die
demokratischen Hambacher Ziele
fanden erst
117 Jahre
später, zäh und schrittweise über die Paulskirchenverfassung und die Weimarer Verfassung, langsam Eingang in ein deutsches Grundgesetz.
Aber eine gute Verfassung ist nur so gut, wie die Bürger und vor allem die Politiker, die mit ihr umgehen, willens und fähig sind, echte demokratische Ziele zu verwirklichen.
Auswüchse, Korruption und anderer Missbrauch können das Gewollte ins Gegenteil verkehren.
Ein Rechtsstaat,
der in einer Gesetzesflut ertrinkt, verliert seinen ursprünglichen Bezug zur Gerechtigkeit.
Ein Sozialstaat,
der die Finanzierbarkeit gefährdet, setzt seine eigentliche Schutzfunktion
aufs Spiel.
Grundrechte, die Politiker nur noch zu privatem Interesse und nicht auch im Blick auf die Nächsten und auf die Gemeinschaft ausüben, solche Grundrechte verkehren sich sehr schnell ins Gegenteil.
Das zu verhindern,
muss das Ziel aller demokratischen Bürger sein.
Mit der
Initiative 20 / 70
kämpft der DRSB e.V. seit
18 Jahren
für mehr Basisdemokratie in Deutschland und Europa.
Hambach,
dieser historische Ort, ist besonders gut geeignet, das wieder einmal in das Bewußtsein aller Bürger zu rufen.
Die
DRSB e.V.
Ideen und Forderungen
von 1989, klingen deshalb heute noch modern, logisch und sind aktueller den je:
Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit muss an der Spitze aller politischen Ziele der EU stehen.
Lohn- und Sozialsysteme müssen in Europa vergleichbare Leistungen bieten.
Vagabundierende Billigarbeiter und Lohndumping werden dadurch vermieden.
Der Lebensstandard der europäischen Bürger muss gesichert und gesteigert werden.
Die europäische Agrarpolitik muss entrümpelt und vereinfacht werden.
Europäische Wirtschaftsinteressen müssen besser geschützt und verteidigt werden.
Die Forschung muss intensiver und mit gezielteren Mitteln Förderung finden.
Die Entwicklung für ein europäisches soziales Marktsystem muss gestartet werden.
Wir haben noch immer keine echte
Europäische Nation
und werden somit auf Dauer in vielen Nationen in einem Staatenbund leben.
Das ist auch gut so.
Die Vielzahl der Länder, die unterschiedlichen Ethnien und die interessanten Kulturen sind der Reichtum Europas.
Strategische Partnerschaften sichern schon heute nachhaltig die Beziehungen untereinander und sollen die Bürger vor materieller Not und vor politischer Verfolgung schützen.
Der DRSB e.V. ist der festen Überzeugung, dass die Chancen für eine friedliche und erfolgreiche Entwicklung Europas heute entschieden besser sind als vor 10 Jahren.
Ungezählte freie Wahlen, problemlose Regierungswechsel sowie das Bemühen um politische und wirtschaftlich sinnvollere Strukturen sind Ansätze für eine bessere Zukunft.
Der wahre Reichtum aber sind die Bürger Europas.
In einer Zivilisation der Verständigung sollten wir das Gemeinsame entdecken.
Manches spricht zurzeit noch dafür, dass es einigen Politikern in Wirklichkeit um einen
Kampf der politischen Fundamentalisten
geht, die an den Wünschen der Mehrheit der Bürger kein Interesse haben.
Echte Demokratie braucht aber den Dialog,
echte Demokratie braucht aber die Imagination,
echte Demokratie braucht aber den Pragmatismus,
echte Demokratie braucht aber die Menschenrechte,
echte Demokratie braucht aber Disziplin und Ordnung,
echte Demokratie braucht aber das Vertrauen und Werte,
echte Demokratie braucht aber den Wandel durch Visionen.
Der Finanzminister von
Ludwig XVIII
Baron Louis sagte einmal:
Zitat:
Majestät,
machen Sie eine gute Politik und ich werde Euch gute Finanzen machen.
Zitat Ende.
Der DRSB e.V. appelliert an alle Politiker:
Macht gute europäische Politik mit sinnvollen und lernfähigen Systemen und die Bürger, das Volk und die Unternehmen schaffen eine moderne soziale Marktwirtschaft für die Zukunft Europas.
Das bringt uns auch dazu, einen Europäer zu zitieren, den die meisten so nie verstanden haben, Winston Churchill:
Zitat:
„Ich werde jetzt etwas sagen, was Sie erstaunen wird“,
so warnte er damals selbst vorsichtshalber.
„Der erste Schritt zur Wiedererschaffung der europäischen Familie muss eine Partnerschaft zwischen Frankreich und Deutschland sein.
Nur auf diese Weise kann Frankreich die moralische Führung Europas wiedergewinnen.
Es kann keine Wiederbelebung Europas geben ohne ein geistiges großes Frankreich und ohne ein geistig großes Deutschland.“
Zitat Ende.
Das mit der Freundschaft haben wir dank Charles de Gaul und Konrad Adenauer geschafft.
Der DRSB e.V. möchte aber noch einen Gedanken hinzufügen:
„Auch ein geistig großes Großbritannien gehört dazu“.
Das bedeutet nicht, dass es nicht auf die geographisch kleineren Staaten ebenfalls ankäme.
Gerade in der Mobilisierung ihres Potentials liegt der unschätzbare Wert und Vorteil des Föderalismus.
Das wusste auch Winston Churchill.
Zitat:
„Die Struktur der Vereinigten Staaten von Europa wird,
wenn sie gut und echt gebaut ist, die materielle Stärke eines einzelnen Staates weniger wichtig machen.
Kleinere Staaten werden ebenso zählen wie große und werden ihren Ehrgeiz darin setzen, zur gemeinsamen Sache beizutragen“.
Zitat Ende.
Begeben wir uns also auf den Weg zur demokratischen Steigerungsform, der
Bürgerautorität,
denn dann haben wir genügend Träger der Vision von Europa.
DRSB
Nichts ist mächtiger als eine
Idee,
deren Zeit gekommen ist.