DRSB
Deutscher Rentenschutzbund e.V.
Redaktionsteam
Leitung:
Udo Johann Piasetzky • Heinrich Sternemann • Hans - Josef Leiting
Düsseldorf, den 20. November 2009
work - life - balance
[ Arbeitslebengleichgewicht ]
Wird unsere Heimat zum McKinsey - Staat gemacht?
Der aufsehenerregende DRSB - Artikel vom 28. Februar 2007
„Sprachtricks in Denglisch“
wird noch heute in vielen Unternehmen heiß diskutiert, weil er allen Lesern verdeutlichte, wie in unserer Heimat rund 14. 000 Beratungsunternehmen, oftmals mit „Denglischen“ Begriffen, ihre Arbeitsweise, Beratungsstrategie und taktischen Ziele vernebeln wollen.
Wie der DRSB e.V. damals schon berichtete, werden vielerorts immer häufiger der Sinn und Zweck sowie der Erfolg der diversen
„Berateraktivitäten“
stark angezweifelt.
Im Fokus der Kritik steht heute noch unangefochten an der ersten Stelle:
McKinsey.
Mit dem schlagwortartig aufgebauten Begriffen, meistens in deutscher und englischer Sprache, dem so genanntem „Denglisch“, wird seit 25 Jahren der Versuch unternommen,
Modernität, Weltoffenheit und Liberalität
zu demonstrieren. Wer sich diesen Sprach - Regeln nicht unterwerfen möchte, wird als „Outsider“ [ Außenseiter ] abgestempelt, was zum Beispiel ein gewollter Nebeneffekt dieses künstlich erzeugten Sprachgebrauchs ist.
Der DRSB e.V. beobachtet seit seinem Bestehen, dass durch den stetig wachsenden Einfluss von so genannten Beratern in Ministerien und Wirtschaftsunternehmen ein Werteverfall sowie der Zerfall der staatlichen Macht forciert wird. Beabsichtigt man, eine Statistik zu erstellen, in welchen Ministerien und Wirtschaftsunternehmen Berater von McKinsey Herumwerkeln, so ist es sehr viel bequemer, zur schnelleren Übersicht eine wesentlich kleinere Liste zu erstellen, aus der hervorgeht, wo keine McKinsey - Leute tätig sind oder waren.
Über die fatalen Auswirkungen sowie die Ursachen- und Wirkungszusammenhänge berichtet der DRSB e.V. regelmäßig.
Besonders der DRSB - Artikel vom 16. August 2009
Das Wort am Sonntag
„Alles Müller? Oder was?“
zeigte das volksschädliche Treiben einiger externer Berater in deutschen Ministerien auf, das vermutlich zum baldigen Finanzkollaps von Städten und Gemeinden führen könnte.
Die kollektiven Leistungen von Städten und Gemeinden werden deshalb auf ein Minimum zurückgefahren.
Schon seit rund 25 Jahren arbeitet man parallel zu dieser Entwicklung daran, auch die sozialen Bedürfnisse und Ansprüche der Menschen in unserer Heimat zurückzufahren oder völlig zu zerschlagen.
Systematisch werden tradierte Werte in Frage gestellt oder gezielt vernichtet.
Dazu gehören insbesondere:
1.
Umwandlung der bürgerlich
geprägter Leistungsethik durch dubiose Freizeitevents.
2.
Diskreditierung von Tugenden wie
gutes Benehmen, Höflichkeit, Sauberkeit oder Verlässlichkeit.
3.
Zerschlagung des Gemeinschaftssinns
sowie der sozialen Neigung zu Gemeinschaften.
4.
Desavouierung von religiösen Menschen
und der katholischen und evangelischen Kirche.
5.
Lächerlichmachung von Bescheidenheit und Sparsamkeit.
6.
Diskriminierung der ehelichen Treue.
7.
Verdrehung der ehemals
werthaltigen Begriffe Disziplin, Ordnung und Systematik.
Die aufgeführten Werte waren für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung in unserer Heimat nach dem zweiten Weltkrieg die Garanten für den Aufstieg unserer Heimat und von Europa.
Es ist deshalb sehr verständlich, dass sich immer mehr Menschen in unserer Heimat diese Werte zurück wünschen.
Denn rückblickend stellt man nicht nur in unserer Heimat fest, dass zum Tragen von Verantwortung mehr gehört als Steinewerfen, Molotowcocktails zu basteln und möglichst oft geschieden zu werden.
Wer jetzt spontan an die Protagonisten aus der SPD und von Bündnis 90 / Die Grünen denkt, dem fallen nicht nur die Namen
Joseph Martin [ Joschka ] Fischer oder Gerhard Schröder
ein.
Rot / Grün oder Grün / Rot, je nachdem, von welcher Seite aus man das 1998 gestartete Regierungsbündnis betrachten möchte, legte für den Verfall unserer Werte sowie für den Verfall unserer Sozialleistungen den Turbo ein. Das markante Symbol der staatlichen Fürsorge, das für viele Menschen in finanzieller Not ein Leben in Würde ermöglichte, wurde durch die fragwürdigen Aktionen [ Armutsagenda / Harz IV ] von SPD und Bündnis 90 / Die Grünen nachhaltig torpediert.
Eine explosive und gefährliche Mischung besteht aber für den Gier - Kapitalismus noch in der Anspruchshaltung der Menschen, die noch über einen Arbeitsplatz verfügen.
Denn hier ist es den Gewerkschaften bis heute nicht gelungen, den Grad der Anspruchshaltung gezielt zurückzufahren; er gefährdet, aus der Sicht der möglichen Investoren, bis heute die Erzielung noch besserer Profite.
Also musste gehandelt werden. Wie historisch belegt, zerstört man am besten einen Staat von innen.
Nachdem man durch veränderte Gesetzgebung die zunehmende Verarmung weiter Teile der Gesellschaft sowie den Niedergang der Mittelschicht erfolgreich eingeleitet hatte, brauchte man nur noch ein Instrument zur Dämpfung der Anspruchshaltung von Arbeitnehmern.
Kreativ wie immer fanden die Berater von McKinsey einen aus ihrer Sicht „harmonischen“ Weg, den gewünschten Prozess einzuleiten und zu beschleunigen.
Vordergründig betrachtet, ist unter dem Begriff
work - life - balance
[ Arbeitslebengleichgewicht ]
zunächst lediglich ein ausgewogenes Verhältnis von Arbeit und Privatleben zu verstehen.
Die Bildung des Kunstbegriffes
work - life - balance
[ Arbeitslebengleichgewicht ]
setzt sich aus dem Englischen
Arbeit [ work], Leben [ life], Gleichgewicht [ balance]
zusammen.
Drei Begriffe, die in der Regel sehr positiv belegt sein können. Vermutlich auch deshalb aus der Sicht von McKinsey bestens zur Manipulation von Arbeitnehmern geeignet.
Lebensglück, Geld, Karriere
sowie die
Erlangung von Statussymbolen
sind für viele Menschen - nach wie vor - oberstes Ziel ihres Berufslebens.
Wenn aber durch das gewollte Einbremsen von globalen wirtschaftlichen Entwicklungen die vorgenannten Ziele nur noch für äußerst wenige Menschen erreichbar sein werden, kommt es zu Frustrationen.
Die Entladung des aufgestauten
Frusts ist dann lediglich eine Frage der Zeit.
Wer aber nicht mehr in der Lage ist, seine privaten Interessen oder sein Verständnis von Familienleben mit den Anforderungen in der Arbeitswelt in Einklang zu bringen, der verliert recht schnell das Wohlgefühl am Arbeitsplatz sowie die Freude an den beruflich gestellten Aufgaben.
Kommt auch noch ein Verzicht von Einkommen dazu, kann die Situation aus dem Gleichgewicht geraten und sich zu Ungunsten des Unternehmens und dessen Profit ausweiten [ so genannter negativer Domino - Effekt ].
Zum negativen Domino - Effekt gehört erfahrungsgemäß auch die schleichende Verschlechterung der Verhältnisse zu dem Vorgesetzten und auch zu den Kollegen.
Wer aber auf Dauer willfährige, folgsame und absolut bewegliche Mitarbeiter haben möchte, der muss rechtzeitig vorbeugen.
Mit dem Führungsinstrument
work - life - balance
[ Arbeitslebengleichgewicht ]
lässt sich diese Vorstellung über das gewünschte Verhalten hervorragend steuern und kontrollieren.
Die Analyse des Rahmens der abzufragenden Information zeigt erfahrenen Psychologen, wohin die Reise gehen soll.
Auszüge aus so genannten persönlichen Checklisten von deutschen Unternehmen, die das System work - life - balance gezielt einsetzen:
1.
Achten Sie auf eine gesunde Balance.
Das bedeutet auch, dass Sie
für eine gewisse Zeit Überlastung akzeptieren.
Danach gibt es wieder mehr Zeit für sich selbst und die Familie.
2.
Definieren Sie klare Werte und
Ziele und nehmen Sie regelmäßig eine Auszeit.
3.
Gehen Sie an normalen Arbeitstagen
zeitig nach Hause und verbringen Sie den Abend mit Ihrer Familie.
4.
Vernachlässigen Sie Ihre Freunde nicht.
5.
Essen Sie ohne Stress.
6.
Machen Sie regelmäßig
Pausen und gehen Sie kurz an die frische Luft.
7.
Bewegen Sie sich:
Treppe statt Aufzug, immer wieder mal
aufstehen und sich recken, leichte Gymnastik.
8.
Vereinbaren Sie Termine mit sich selbst,
in denen Sie Dinge machen, die Ihnen Spaß machen.
Oberflächlich betrachtet alles sehr „vernünftige“ Ratschläge zum Erhalt der Mitarbeitergesundheit. Doch systematisch und gezielt eingesetzt lassen sich damit Mitarbeiter viel leichter zur Teilzeitarbeit herunterfahren von Arbeitstagen sowie zur hohen Flexibilität erziehen.
Selbst die „freiwillige“ Aufgabe des sicheren Arbeitsplatzes wurde bereits mehrfach erprobt.
Aus der Sicht von McKinsey soll vorgeblich die
work - life - balance Taktik
in den Zukunftsmodellen der Arbeitswelt eine ganz besondere Rolle spielen.
In Unternehmen, in denen McKinsey - Leute herumturnen, häufen sich aber die Fälle, in denen dieses Führungsinstrument auf seine tatsächliche Tauglichkeit hinterfragt wird.
Mit dem Führungsinstrument
work - life - balance
gegängelte oder gequälte Mitarbeiter fragen in diversen Internetblogs bereits danach, wie verkommen ein Unternehmen eigentlich sein muss, das seine treuen Mitarbeiter völlig ungeschützt einem solchen System aussetzt.
Während unsere Politiker täglich Vollmundig in der Öffentlichkeit über die Bedrohung durch die US - Finanz- und Wirtschaftskrise diskutieren, haben sich möglicherweise längst viele von McKinsey beratene Unternehmen von ethisch moralischen Werten in der Mitarbeiterführung verabschiedet.
Denn die eigentliche Bedrohung der Sicherung von Langzeitarbeitsplätzen kommt aus dem Inneren dieser Unternehmen.
Mitunter kommen gequälte Menschen auf absurde sowie ungewöhnliche Ideen, um ihren aufgestauten Frust loszuwerden.
Deshalb sollte man zur Deeskalation die „Sprachtricks in Denglisch“ erweitern und einmal auf das so genannte
„English for run - aways“
[ Englisch für Fortgeschrittene ],
zurückgreifen.
Wer also als verantwortungsbewusster Betriebsrat oder Führungskraft den Einsatz von
work - life - balance
sowie das Manipulieren der anvertrauten Mitarbeiter vermeiden möchte, sollte seiner Geschäftsführung im besten „Englisch für Fortgeschrittene“ mitteilen:
„That comes overhead not in question“
[ Das kommt überhaupt nicht in Frage ].
DRSB
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